. Zum letztenmahl, ist
ein beunruhigendes Gefühl bei der gleichgültigsten Sache, weil es an unser
engbeschränktes menschliches Dasein so innig erinnert; und zum letztenmahl! bei
der höchsten Lebensfreude ergreift uns wie die kalte Hand des Todes.
    Charles trat in diesem Augenblick ins Zimmer. Ich eilte ihm entgegen, und
suchte mein Gemüt zu verbergen, aber er wich stumm und erschrocken bei meinem
Anblick zurück.
    Haben Sie mir eine böse Zeitung zu bringen? fragte ich ihn. Nein, erwiderte
er, möge ich keine von Ihnen zu vernehmen haben, und Ihre Worte Ihrem Aussehen
widersprechen.
    Sein herzlicher Anteil löste alle Banden meines Schmerzens, meine Tränen
flossen unaufhaltsam.
    Der zarte Sinn meiner Mutter schien mir von Charles Lippen entgegen zu
schweben. Er nahte sich mir sanft, fasste meine Hand, und nach einem tiefen Blick
in meine Seele saate er: Sollte für dich, gutes Geschöpf, der Moment schon
gekommen sein, wo die freundlichen Täuschungen der Sinnenwelt sich in quälende
Gestalten verwandeln? Ist der jugendliche Wahn einmal verschwunden, in dem wir
freundlich und harmonisch mit der äußern Welt zusammenfliessen, wo unser Wesen in
allem innig und ganz lebt, und eben darum keine Trennung in seinem Innern
empfindet; ist jene Magie einmal aufgehoben, und musst du den innern Bestand in
dir selbst durch eigenes Streben wieder herstellen, dann kann dir vielleicht der
Rat eines Freundes nützen. Dein Wesen, gutes Kind, fuhr er fort, ist Liebe und
Sympatie. Genuss ist für dich nur in der reinen Stimmung deines Innern zu
finden; also lasse früh ab von der Täuschung, die uns einen äußern Gegenstand
als die höchste Wonne des Lebens vormahlt. Aber hüte dich auch vor jenen
Momenten starrer Apathie, in welche unser Gemüt so leicht nach einer
zerstörenden Anspannung fällt. Handle nicht eher, bis der klare Blick deines
Verstandes alle Dinge in ihrem rechten Maß zu würdigen vermag. Der erste tiefe
Schmerz getäuschter Erwartung treibt die Seele aus dem endlichen Beschränkten
empor ins Unendliche. Wir herrschen über die Gestalten der Erde in unserm
Gemüt, denen wir sonst dienten. Glücklich wenn wir in solch einer Periode
innrer Klarheit und Neinheit uns selbst eine richtige haltbare Stellung in
unsern innern und äußern Verhältnissen geben! Glücklich, wenn das Schicksal uns
an einem Scheideweg stehen lässt, bis wir uns selbst gesammelt haben, und das Maß
unsrer Kraft zu ermessen vermögen. Wenig Glückliche führt ihr Genius ganz
schuldlos durch das Leben. Manche müssen mit dem Opfer eines ganzen Lebens
wenige Augenblicke büßen, in welchen sie verschmähten, auf jenen leitenden Wink
zu achten. - Hier hielt Charles ein, schlug die Augen nieder, und sein ganzes
Wesen verriet einen Sturm durch die Gewalt schmerzlicher Erinnerungen erzeugt.
Meine Agnes, rief er aus, indem sein Auge einen Blick
