 verdienen. Zu großen Geschäften und
Negoziationen hoffe ich, werden Sie ohnedem ein Landmädchen, das die Welt noch
so wenig kennt, nicht brauchen wollen. Wen die Natur so reich machte, fiel der
jüngere Alban ein, den kann die Kunst wenig lehren. - Übergeben Sie sich uns nur
ohne Bedingungen, lassen Sie mich nur Fräulein Lilien mit unserer Verfassung
bekannt machen, rief Fräulein R** und führte mich in ein Fenster. Die zwei
Herren und ich, fuhr sie fort, sind von Kindheit an zusammen aufgewachsen. Ein
guter Genius bewahrte uns vor einigen Torheiten der Welt um uns her. Wir haben
vielleicht andere dafür, aber wir bleiben dabei doch froh und unschädlich. Wir
hassen die Falschheit, wir verachten die Kleinheit, die nur den Schein sucht,
fliehen die Leerheit, und suchen uns selbst dafür zu bewahren. Da wir nicht alt
und vornehm genug sind, um den Ton anzugeben, so helfen wir uns mit dem
pytagoräischen Schweigen so gut durch, als wir können. Wir sind durch unsere
Verhältnisse verbunden, einen großen Teil unsers Lebens in den großen Zirkeln
zu verlieren, wo die Mittelmässigkeit das Regiment führt, aber wir streben, unser
eigenes Selbst unverdorben durch den Strom der Gesellschaft hindurch zu treiben.
Aber Sie müssen unsere Art zu sein erst beobachten und prüfen. Ich danke, fuhr
sie fort, der Existenz dieser kleinen Gesellschaft vieles von meiner moralischen
Bildung. Viele gute Menschen haben stillschweigend unter sich dasselbe Bündnis,
aber es schleicht sich nach und nach eine Art von Trägheit unter ihnen ein, die
unter dem Nahmen der Toleranz am Ende alles, und sich selbst mit allem Andern
hingehen lässt, wie es kann oder will. Wir vermeiden dieses durch ein Gesetz, uns
alle acht Tage Rechenschaft von unsern Beobachtungen zu geben. Die Mitteilung
unserer Gedanken zwingt uns, unsere Wahrnehmungen aufzuklären. Wir leben
glücklich durch diese Verbindung unter den heterogenen Menschen, die uns
umgeben. Ich fand auch das Glück meines Herzens in unserm kleinen Zirkel. Der
ältere Alban wird mein Gemahl werden, sobald unsere Familienverhältnisse es
erlauben. Mein künftiger Schwager ist eigentlich die Seele des ganzen
Verhältnisses durch die große Lebhaftigkeit seines Verstandes und seiner
Einbildungskraft. Der ruhigere, aber nicht weniger tiefe Blick meines Albans
macht einen angenehmen Kontrast mit der glühenden Fantasie seines Bruders. Oft
belehrt uns die Erfahrung, dass Julius, dieses ist der Nahme meines Schwagers,
durch seine Fantasie uns und sich selber getäuscht hat. Wir lachen ihn aus, und
glauben ihm doch das nächste mahl wieder. Teilen Sie uns Ihre Bemerkungen und
Ihre Erfahrungen, wenn Sie wollen, mit, nehmen Sie dagegen das Gelübde der
Aufrichtigkeit und Freundschaft von uns an.
    Julius von Alban trat zu uns, und sagte halb feierlich: Nehmen Sie die
