, die
Wohltätigkeit des ganzen Daseins, bildet sich nur in einem Gemüt, dem die
Notwendigkeit als höchste Güte erscheint.
    Über der Wiege meines ersten Kindes gelobte mir Julius auch Vater zu werden,
und in dem ersten reinsten Naturverhältniss alles liebende Vermögen seines
reichen Herzens zu beschäftigen.
    Bettina hatte sich schön ausgebildet unter den Augen der Gräfin und ihres
Vaters. Ihr Geist, ihr Talent war bezaubernd.
    Sie scherzte selbst mit mir in Nordheims Gegenwart über ihren ersten
Jugendtraum; ich hielt sie für ganz geheilt.
    Bald fühlte ich, dass sie Julius in einem neuen Lichte wahrnahm.
Leidenschaftliche Liebe, Neigung ohne Grenzen war die Natur des Mädchens, und
Julius nahm sie mit dem zärtesten Herzen auf. Er selbst schien sich mehr
hinzugeben, als sie lebhaft zu ergreifen, aber es war im höchsten feinsten Sinn;
sie wurden ein glückliches Paar.
    Die Gestalt des alternden Mütterchens macht einen sonderbaren Kontrast mit
der glühenden Leidenschaft die in diesen Blättern atmet. Die Zeit macht von
selbst unser Leben zu einem vollendeten Gemälde, in dem jede Farbe der
allgemeinen Harmonie untergeordnet ist. Nur wenn ein irrer Wille dem stillen
Naturgang widerstrebt, entstehen grelle Töne.
    Euer Vater lächelte bei manchem Zug dieser Geschichte, und freute sich unter
dem ergrauenden Scheitel, das freundliche Leben der Jugend noch einmal
aufglühen zu sehen.
    Wir freuten uns dessen, was wir gewesen sind und noch sind. Die Form ist
unverändert geblieben. Wir gehen dann in den großen Saal, und sehen unsre Bilder
an.
    Die Vergangenheit umleuchtet uns als ein freundlicher Strahl, und wenn wir
uns die Hände drücken, die sich durch eine Reihe von Jahren zu mildem Wirken
vereinten, - dann fühlen wir nicht, dass uns die Jugend entflohen ist, sondern
dass eine neue Jugend in uns aufblüht.
 
                                  Erster Teil
Ich wurde in dem Hause des Pfarrers zu Hohenfels, als seines Bruders Tochter
erzogen. Sobald ich es verstehen konnte, sagte mir der Pfarrer, meine Eltern
wären während meiner ersten Kindheit gestorben, aber ich sollte ihn als meinen
Vater ansehen. Ich erfüllte dieses Verlangen in seinem vollen Sinn, denn ich
fühlte nie, dass meine Eltern mir fehlten. Er war ein seltener Mann, und ich
werde in der Geschichte meiner Erziehung ausführlicher sein, als ich vielleicht
sollte, weil sich sein Charakter in derselben am besten darstellt. Sein Gemüt
war eine reine Harmonie, der sich jeder mit Vergnügen näherte, und ohne es zu
suchen, wirkte er auf einen großen Zirkel. Er ließ sich gern und leicht in ein
Gespräch ein, und wusste das gemeinste an die wichtigsten Gegenstände so
natürlich und leicht anzuknüpfen, dass er das innere Wesen der Menschen
aufschloss.
    Als mein Verstand reif genug war, um die Menschen gegen einander zu
vergleichen, sagte ich oft
