 zu ergreifen, die ich nur immer
vor meinem eignen Herzen verantworten kann.
    Ich wollte Nordheim folgen, mein Vater hielt mich zurück. Er überließ sich
den heftigsten Ausbrüchen des Unwillens. Der Minister wusste geschickt, durch
seine angenommene Ruhe und Kälte, der Flamme nur noch mehr Öl zuzugiessen. Mein
Vater tat die fürchterlichsten Gelübde, durch welche schwache Charaktere immer
ihren eignen unrechtmässigen Entschlüssen Festigkeit zu geben suchen: nie würde
er eine Verbindung zwischen Nordheim und Agnes zugeben.
    Nordheims höchst sichres und festes Benehmen vermehrte die Furcht meines
Vaters, das Geheimnis seiner Familie in seinen Händen zu sehen. Alle Handlungen,
deren Motive im Herzen zu suchen sind, liegen ganz außer dem Gesichtskreise
meines Vaters; und wenn er ein Interesse hat, sich solche zu erklären, so
schiebt er natürlich falsche Bewegungsgründe unter. Überdem gibt er den
Verhältnissen des Standes und Ranges, die einmal seine Natur ausmachen, auch
eine alles überwiegende Wichtigkeit. Unbegreiflich wird es ihm dünken, dass
Nordheim die Ansprüche auf Agnes Geburt, nicht geltend machen, oder sie aus
Liebe aufgeben könnte. Mein Vater glaubt Nordheim von der ganzen Geschichte
deiner Heurat durch seinen Vater unterrichtet; fürchtet, dass das Recht, welches
er dir selbst in gewissen Momenten zugestehen muss, durch Nordheims Kühnheit und
höheren Geist geleitet, noch obsiegen, und dahin führen möchte, deine
Verhältnisse vor der Welt bekannt zu machen.
    Wie der Schwache jede Kraft fürchtet, deren Wirkungen er nicht zu ermessen
vermag, so sieht er auch lauter Poltergeister um sich her. Güte und Stärke sind
die natürlichen Poltergeister eines schwachen Sinns.
    Nordheims höheres Wesen fiel meinem Vater auf, als eine neue Erscheinung,
welche seine Achtung erzwang. Aber jetzt, da er selbst in Kollision mit jenem
höheren reineren Gemüt tritt, verwandelt sich die Achtung in Furcht. Die Furcht
verwirrt den Verstand, und verhärtet das Herz. Was bleibt uns zu tun und zu
hoffen übrig?
    Unsre Agnes muss nicht aufgeopfert werden. Ich vermag es nicht zu denken, das
sanfte holde Geschöpf, das Schönheit und Wahrheit mit solch einem regen
unverstimmbaren Sinn ergreift, sollte für immer an einen Toren gefesselt
werden? Der junge Mensch ist herz- und geistlos. Es wuchs mit Agnes auf, und der
Onkel sprach gegen mich von einer Leidenschaft, die er aus Gehorsam gegen seine
Eltern unterdrückte, und die jetzt auf einmal in vollen Flammen auflodert.
    Du weißt, was ich von dem denke, und dass ich gewisse Gesichter lieber vom
Galgen und Rad, als von Liebe und Tugend reden höre.
    Agnes muss gerettet werden; aber dass mein Vater für Nordheim zu bewegen ist,
daran zweifle ich. Wir werden einen dritten Weg einschlagen müssen, auf welchem
wir vielleicht leichter mit meinem Vater zusammentreffen.
    Ich benutzte den ersten
