
habt nur von unwürdigen Menschen gesprochen, die keine Künstler sind, die die
Göttlichkeit ihres Berufs selber nicht kennen, und weil Ihr Euer Auge nur auf
diese wendet, so wagt Ihr es, alle übrigen zu verkennen. O Albert Dürer! wie
könnte ich es dulden, dass man so von deinem schönsten Lebenslaufe sprechen darf?
Ihr habt entweder noch keine guten Bilder gesehen, oder die Augen sind Euch für
ihre Göttlichkeit verschlossen geblieben, dass Ihr Euch erkühnt, sie so zu
lästern. Es mag gut sein, wenn in einem Staate alles zu einem Zwecke dient, es
mag in gewissen Zeiträumen nötig sein, für das Wohl der Bürger, für die
Unabhängigkeit, dass sie nur ihr Vaterland, nur die Waffen, die bürgerliche
Freiheit, und nichts weiter lieben; aber Ihr bedenkt nicht, dass in solchen
Staaten jedes eigene Gemüt zugrunde geht, um nur das allgemeine Bild des Ganzen
aufrecht zu erhalten. Die Güter, um derentwillen dem Menschen die Freiheit teuer
sein muss, die Regung aller seiner Kräfte, die Entwickelung aller Schätze seines
Geistes, diese kostbarsten Kleinodien müssen wieder aufgeopfert werden, um nur
jene Freiheit zu bewahren. Über die Mittel geht der Zweck verloren, nach welchem
jene Mittel streben sollten. Ist es nicht die herrlichste Erscheinung, den
Menschengeist kühn in tausend Richtungen, in tausend mannigfaltigen Strömen, wie
die Röhren eines künstlichen Springbrunnens, der Sonne entgegenspielen zu sehen?
Eben dass nicht alle Geister ein und dasselbe wollen ist erfreulich. Darum lasst
der unschuldigen kindischen Kunst ihren Gang, denn sie ist es doch, in der sich
am reinsten, am lieblichsten, und auf die unbefangenste Weise die Hoheit der
Menschenseele offenbart, sie ist nicht ernst, wie die Weisheit, sondern ein
frommes Kind, dessen unschuldige Spiele jedes reine Herz rühren und erfreuen
müssen. Sie drückt den Menschen am deutlichsten aus, sie ist Spiel mit Ernst
gemischt, und Ernst durch Lieblichkeit gemildert. Wozu soll sie dem Staate, der
versammelten Gesellschaft nützen? Wann hat sich je das Große und Schöne so tief
erniedrigt, um zu nützen? Ein neues Feuer facht der große Mann, die edle Tat in
einem einzelnen Busen an; der Haufe staunt dumm, und begreift nicht und fühlt
nicht, er betrachtet ebenso ein noch nie gesehenes Tier, er belächelt die
Erhabenheit, und hält sie für Fabel. Wen verehrt die Welt, und welchem Geiste
wird gehuldigt? Nur das Niedrige versteht der Pöbel, nur das Verächtliche wird
von ihm geachtet. Zufälle und Nichtswürdigkeiten sind die Wohltäter des
Menschengeschlechts gewesen, wenn du den häuslichen Nutzen dieser armen Welt so
hoch anschlägst. Und was drückst du mit dem Worte Nutzen aus? Muss denn alles auf
Essen, Trinken und Kleidung hinauslaufen? oder dass ich besser ein
