 müssten, wie jeder dem
Ganzen dienen sollte, und nichts da sein, nichts ausgeübt werden dürfte, was
nicht den allgemeinen Nutzen beförderte: und ich betrachte dann die menschliche
Gesellschaft, wie sie wirklich ist, so möchte ich fast sagen, es scheint, dass
die Vereinigung nicht entstanden ist, um allgemein besser zu werden, sondern um
sich gegenseitig zu verschlimmern. Da ist keine Aufmunterung zur Tugend, keine
Abhärtung zum Kriege, keine Liebe des Vaterlands und der Religion, ja es ist
keine Religion und kein Vaterland da, sondern jeder glaubt sich selbst der
nächste zu sein, und häuft, ohne auf den gemeinen Nutzen zu sehen, die Güter auf
erlaubte und unerlaubte Art zusammen, und vertändelt übrigens seine Zeit mit der
ersten besten Torheit. Die Kunst vorzüglich scheint ordentlich dazu erfunden,
die bessern Kräfte im Menschen zu erlahmen, und nach und nach abzutöten. Ihre
gaukelnde Nachäffung, diese armselige Nachahmung der Wirklichkeit, worauf doch
alles hinausläuft, zieht den Menschen von allen ernsten Betrachtungen ab, und
verleitet ihn, seine angeborene Würde zu vergessen. Wenn unser innerer Geist uns
zur Tugend antreibt, so lehren uns die mannigfaltigen Künstler sie verspotten;
wenn die Erhabenheit mich in ihrer göttlichen Sprache anredet, so unterlassen es
die Reimer oder Poeten nicht, sie mit Nichtswürdigkeiten zu überschreien. Und
dass ich namentlich von der gepriesenen Malerei rede. - Ich habe den Maler, der
mir Figuren, oder Bäume und Tiere auf Flächen hinzeichnet, nie höher
angeschlagen, als den Menschen, der mit seinem Munde Vögel- und Tiergeschrei
nachzuahmen versteht. Es ist eine Künstelei, die keinem frommt, und die dabei
doch die Wirklichkeit nicht erreicht. Jeder Maler erlernt von seinem Meister
eine gewisse Fertigkeit, einige Handgriffe, die er immer wieder anbringt, und
wir sind dann gutmütige Kinder genug, uns vor sein Machwerk hinzustellen, und
uns darüber zu verwundern. Wie da von Genuss der Kunst die Rede sein kann, oder
von Schönheit, begreife ich nicht, da diese Menschen die Begeisterung nicht
kennen, da ihre Schöpfungen nicht aus schönen Stunden hervorgehn, sondern sie
sich des Gewinstes wegen niedersetzen und Farben über Farben streichen, bis sie
nach und nach ihre Figuren zusammengebettelt haben, und nun den Lohn an Geld
dafür empfangen. Wie sollen diese knechtischen Arbeiter auf edle Seelen wirken
können, da sie es selber nicht einmal wollen? Sie dienen höchstens der
Sinnlichkeit, und trachten vielleicht, elende Begierden zu erwecken, oder uns
ein Lächeln über ihre verzerrten Gestalten abzuzwingen, damit sie doch irgendwas
hervorbringen. Ich meine also, dass man auf jeden Fall seine Zeit besser anwenden
könne, als wenn man sich mit der Kunst beschäftigt.«
    Franz konnte sich im Unwillen nicht länger halten, sondern rief aus: »Ihr
