 ist es, dass es dem Menschen oft so schwer ankömmt, selbst das
Einfältigste recht ordentlich zu verstehen, wie es gemeint sein mochte, denn
seine jedesmalige Lebensart, seine augenblicklichen Gedanken hindern ihn daran;
wo er diese nicht wiederfindet, da dünkt ihm nichts recht zu sein. Ich möchte
Dich jetzt mündlich sprechen, um recht viel von Dir zu hören, um Dir recht viel
zu sagen; denn je länger Du fort bist, je mehr empfinde ich Deine Abwesenheit,
und dass ich mit niemand, selbst mit Dürer nicht das reden kann, was ich Dir gern
sagen würde.
    Die Helden des römischen Altertums wandeln jetzt mit ihrer Größe durch mein
Gemüt; sowie ich genese, will ich den Versuch anstellen, aus ihren Geschichten
etwas zu malen. Ich kann es Dir nicht beschreiben, wie sich seit einiger Zeit
das Heldenalter so lebendig vor mir regt; bis dahin sah ich die Geschichte als
eine Sache an, die nur unsre Neugier angehe, aber es ist mir daraus eine große
und neue Welt im Gemüt und Herzen aufgequollen. Vorzüglich gern möchte ich aus
Cäsars Geschichte etwas bilden; man nennt diesen Mann so oft, und nie mit der
Ehrfurcht, die er verdient. Wenn er auf dem Nachen ausruft: »Du trägst den Cäsar
und sein Glück!« oder sinnend am Rubikon steht, und nun noch einmal kurz sein
Vorhaben erwägt, wenn er dann fortschreitet, und die bedeutenden Worte sagt: »
Der Würfel ist geworfen!« so bewegt sich mein ganzes Herz vor Entzücken, alle
meine Gedanken versammeln sich um den einen großen Mann, und ich möchte ihn auf
alle Weise verherrlichen. Am liebsten sehe ich ihn vor mir, wenn er durch die
kleine Stadt in den Alpen zieht, sein Gesellschafter ihn fragt: ob denn hier
auch wohl Neid und Verfolgung und Plane zu Hause wären, und er mit seiner
höchsten Größe die tiefsinnigen Worte ausspricht: »Glaube mir, ich möchte lieber
hier der Erste, als in Rom der Zweite sein.«
    Dies ist nicht bloßer Ehrgeiz, oder wenn man es so nennen will, so ist es
das Erhabenste, wozu sich ein Mensch emporschwingen kann. Denn freilich, war
Rom, das damals die ganze Welt beherrschte, im Grunde etwas anders, als jene
kleine unbedeutende Stadt? Der höchste Ruhm, die größte Verehrung des Helden,
auch wenn ihm der ganze Erdkreis huldigt, was ist es denn nun mehr? Wird er
niemals wieder vergessen? Ist vor ihm nicht etwas Ähnliches dagewesen? Es ist
eine große Seele in Cäsars Worten, die hier so kühn das anscheinend Höchste mit
dem scheinbar Niedrigsten zusammenstellt. Es ist ein solcher Ehrgeiz, der diesen
Ehrgeiz wieder als etwas Gemeines und Verächtliches empfindet, der sein Leben,
