 die wir noch
nicht betreten haben, und es ist möglich, dass Sternbald zu diesen gehört. Lasst
ihn also immer reisen, denn so viel älter ich bin, wirkt doch jede Veränderung,
jede Neuheit noch immer auf mich. Glaubt nur, dass ich selbst auf dieser Reise zu
Euch viel für meine Kunst gelernt habe. Wenn Franz auch eine Zeitlang in
Verwirrung lebt, und durch sein Lernen in der eigentlichen Arbeit gestört wird,
(und ich glaube wohl, dass sein sanftes Gemüt dem ausgesetzt ist) so wird er doch
gewiss dergleichen überstehn, und nachher aus diesem Zeitpunkte einen desto
größeren Nutzen ziehen.« - Dürer erzählte, dass er über das Dorf gereist sei, in
welchem Sternbalds Pflegemutter wohnte, er hatte das neue Altarblatt betrachtet,
und lobte, bis auf einige Verzeichnungen, alles, vorzüglich den Gedanken der
doppelten Beleuchtung, der ihm selber neu und unerwartet gewesen, er erinnerte
sich die fromme Rührung, die aus der stillen Lieblichkeit des Bildes hervorgehe.
»Wahrlich«, so beschloss er, »mein lieber Franz, du hast schon jetzt übertroffen,
was ich von dir erwarten konnte, und ich freue mich inniglich, dass ich einen
solchen Schüler gezogen habe.«
    So große Worte waren über den armen Franz noch niemals ausgesprochen, darum
wurde er schamrot; aber innerlich war er so erfreut, so überglücklich, dass sich
gleichsam alle geistigen Kräfte in ihm auf einmal bewegten und nach Tätigkeit
riefen. Er empfand die Fülle in seinem Busen, und ward von den mannigfaltigsten
Gedanken übermeistert.
    Lukas, nachdem er eine Weile geschwiegen hatte, brach eine neue Weinflasche
an, und ging selber mit lustigen Gebärden um den Tisch, um allen einzuschenken.
Fröhlich rief er aus: »Lasst uns munter sein, solange dies irdische Leben dauert,
wir wissen ja so nicht, wie lange es währt!«
    Albrecht trank und lachte. »Ihr habt ein leichtes Gemüt, Meister«, sagte er
scherzend, »Euch wird der Gram niemals etwas anhaben können.«
    »Wahrlich nicht!« sagte Lukas, »solange ich meine Gesundheit und mein Leben
fühle, will ich guter Dinge sein, mag es hernach werden wie es will. Mein Weib,
Essen und Trinken und meine Arbeit, seht, das sind die Dinge, die mich beständig
vergnügen werden, und nach etwas Höherem strebe ich gar nicht.«
    »Doch«, sagte Meister Albrecht ernstaft, »die geläuterte wahre Religion,
der Glaube an Gott und Seligkeit.«
    »Davon spreche ich bei Tische niemals«, sagte Lukas. - »Aber so seid Ihr ein
größerer Ketzer als ich.« - »Mag sein«, rief Lukas, »aber lasst die Dinge fahren,
von denen
