 mögt recht haben, Meister!« rief er aus, »ich bin nun
auch beinahe davon überzeugt, dass ich zum Künstler verdorben bin; je mehr ich
Eure Vortrefflichkeit fühle, um so stärker empfinde ich auch meinen Unwert, ich
führe ein verlorenes Leben in mir, das sich an keine vernünftige Tätigkeit
hinaufranken wird, ein unglückseliger Trieb ist mir eingehaucht, der nur dazu
dient, mir alle Freuden zu verbittern, und mir aus den köstlichsten Gerichten
dieses Lebens etwas Albernes und Nüchternes zuzubereiten.«
    »Es ist nicht so gemeint«, sagte Lukas mit einem Lächeln, das seinem
freundlichen Gesichte sehr gut stand; »ich merke, dass alles bei Euch aus einem
zu heftigen Charakter entspringt, und freilich, in so etwas kann sich der Mensch
nicht ändern, wenn er es auch noch so sehr wollte. Gebt Euch zufrieden, meine
Worte sind immer nur die Worte eines einzelnen Mannes, und ich kann mich ebenso
leicht irren als jeder andre.«
    »Ihr seid nicht wie jeder andre«, sagte Franz mit der größten Lebhaftigkeit,
»das fühl ich zu lebendig in meinem Herzen, Ihr solltet es nur einmal hören, mit
welcher Verehrung mein Meister von Euch spricht; Ihr solltet es nur wissen
können, wie vortrefflich Ihr mir vorkommt, welch Gewicht bei mir jedes Eurer
Worte hat. Wie viele Künstler dürfen sich denn mit Euch messen? Wer auf solche
Stimmen nicht hörte, verdiente gar nicht, Euch so gegenüberzusitzen, mit Euch zu
sprechen, und diese Freundschaft und Güte zu erfahren.«
    »Ihr seid jung«, sagte Lukas, »und Euer Wesen ist mir ungemein lieb, es gibt
wenige solcher Menschen, die meisten betrachten die Kunst nur als ein Spielwerk,
und uns als große Kinder, die albern genug bleiben, um sich mit derlei Possen zu
beschäftigen. - Aber lasst uns auf etwas anderes kommen, ich bin jetzt überdies
müde zu malen. Ich habe einen Kupferstich von Eurem Albert erhalten, der mir
bisher noch unbekannt war. Es ist der heilige Hubertus, der auf der Jagd einem
Hirsche mit einem Kruzifixe zwischen dem Geweih begegnet, und sich bei diesem
Anblicke bekehrt und seine Lebensweise ändert. Seht hierher, es ist für mich ein
merkwürdiges Blatt, nicht bloß der schönen Ausführung, sondern vorzüglich der
Gedanken halber, die für mich darin liegen. Die Gegend ist Wald, und Dürer hat
einen hohen Standpunkt angenommen, weshalb ihn nur ein Unverständiger tadeln
könnte, denn wenn auch ein dichter Wald, wo wir nur wenige große Bäume
wahrnähmen, etwas natürlicher beim ersten Anblicke in die Augen fallen dürfte,
so könnte doch das nimmermehr das Gefühl der völligen Einsamkeit so ausdrücken
und darstellen, wie es hier geschieht, wo das Auge weit und
