 größere Freude, als wenn ich nun endlich ein Gemälde, an dem ich lange
arbeitete, zustande gebracht habe; wenn nun alles fertig ist, was mir bis dahin
nur in den Gedanken ruhte: wenn man nun zugleich mit jedem Bilde merkt, wie die
Hand geübter und dreister wird, wie nach und nach alles das von selbst sich
einstellt, was man anfangs mit Mühe erringen und erkämpfen musste, seht, das ist
eine Lust, die andre Menschen vielleicht nur an Kindern, die wohlgeraten, oder
gar an gelungenen Eroberungen genießen können. O mein lieber Sternbald, ich
könnte manchmal stundenlang davon schwatzen, wie ich nach und nach ein Maler
geworden bin, und wie ich noch hoffe, mit jedem Tage weiterzukommen.«
    »Ihr seid ein sehr glücklicher Mann«, antwortete Franz. »Wohl dem Künstler,
der sich seines Wertes bewusst ist, der mit Zuversicht an sein Werk gehen darf,
und es schon gewohnt ist, dass ihm die Elemente gehorchen. Ach, mein lieber
Meister, ich kann es Euch nicht sagen, Ihr könnt es vielleicht kaum fassen,
welchen Drang ich zu unsrer edlen Kunst empfinde, wie es meinen Geist
unaufhörlich antreibt, wie alles in der Welt, die seltsamsten und fremdesten
Gegenstände sogar, nur von der Malerei zu mir sprechen; aber je höher meine
Begeisterung steigt, je tiefer sinkt auch mein Mut, wenn ich irgendeinmal an die
Ausführung gehen will. Es ist nicht, dass ich die Übung und den wiederholten Fleiß
scheue, dass es ein Stolz in mir wäre, gleich das Vortrefflichste
hervorzubringen, das keinen Tadel mehr zulassen dürfte, sondern es ist eine
Angst, eine Scheu, ja ich möchte es wohl eine Anbetung nennen, beides der Kunst,
wie des Gegenstandes, den ich darzustellen unternehme.«
    »Ihr erlaubt mir wohl«, sagte Lukas, »indem wir sprechen, an meinem Bilde
weiterzumalen.« Und wirklich zog er auch die Staffelei herbei, und vermischte
auf der Palette die Farben, die er auftragen wollte. - »Wenn ich Euch mit meinem
Geschwätze nur nicht störe«, sagte Franz, »denn diese Arbeit da ist äußerst
kunstreich.« - »Gar nicht«, sagte Lukas, »tut mir den Gefallen und fahrt fort.«
    »Wenn ich mir also«, sagte Franz, »eine der Taten unsers Erlösers in ihrer
ganzen Herrlichkeit denke, wenn ich die Apostel. die Verehrungswürdigen, die ihn
umgaben, vor mir sehe, wenn ich mir die göttliche Milde vorstelle, mit der er
lehrte und sprach; wenn ich mir einen der heiligen Männer aus der ersten
christlichen Kirche denke, die mit so kühnem Mute das Leben und seine Freuden
verachteten, und alles hingaben, was den übrigen
