 Fleiß dem Menschen ist, ebenso, wie man ihn mit Recht edel
nennen kann. Aber wenn alle Menschen Künstler wären, oder Kunst verständen, wenn
sie das reine Gemüt nicht beflecken und im Gewühl des Lebens zerquälen dürften,
so wären doch gewiss alle um vieles glücklicher. Dann hätten sie die Freiheit und
die Ruhe, die wahrhaftig die größte Seligkeit sind. Wie beglückt müsste sich dann
der Künstler fühlen, der die reinsten Empfindungen dieser Wesen darzustellen
unternähme! Dann würde es erst möglich sein, das Erhabene zu wagen, dann würde
jener falsche Enthusiasmus, der sich an Kleinigkeiten und Spielwerk schließt,
erst eine Bahn finden, auf der er eine herrliche Erscheinung wandeln dürfte.
Aber alle Menschen sind so gemartert, so von Mühseligkeiten, Neid, Eigennutz,
Planen, Sorgen verfolgt, dass sie gar nicht das Herz haben, die Kunst und Poesie,
den Himmel und die Natur als etwas Göttliches anzusehen. In ihre Brust kommt
selbst die Andacht nur mit Erdensorgen vermischt, und indem sie glauben klüger
und besser zu werden, vertauschen sie nur eine Jämmerlichkeit mit der andern.
    Du siehst, ich führe noch immer meine alten Klagen, und ich habe vielleicht
sehr unrecht. Ich sehe wohl alles anders an, wenn ich älter werde, aber ich
wünsche es nicht. Ach Sebastian, ich habe manchmal eine unaussprechliche Furcht
vor mir selber; ich empfinde meine Beschränktheit, und doch kann ich es nicht
wünschen, diese Gefühle zu verlieren, die so mit meiner Seele verwebt scheinen,
dass sie vielleicht mein eigentliches Selbst ausmachen. Wenn ich daran denke, dass
ich mich ändern könnte, so ist mir ebenso als wenn Du sterben solltest. -
    Wenn ich nur wenigstens mehr Stolz und Festigkeit hätte! Denn ich muss doch
vorwärts, und kann nicht immer ein weichherziges Kind bleiben, wenn ich auch
wollte. Ich glaube fast, dass der Geist am leichtesten untersinkt und
verlorengeht, der sich zu blöde und bescheiden betrachtet: man muss mit kaltem
Vertrauen zum Altar der Göttin treten, und dreist eine von ihren Gaben fordern,
sonst drängt sich der Unwürdige vor, und trägt über den Besseren den Sieg davon.
Ich möchte manchmal darüber lachen, dass ich alles in der Welt so ernstaft
betrachte, dass ich so viel sinne, wenn es doch nicht anders sein kann, und mit
Schwingen der Seele das zu ereilen trachte, wonach andere nur die Hand
ausstrecken. Denn wohin führt mich meine Liebe, meine Verehrung der Künstler und
ihrer Werke? Viele große Meister haben sich gewiss recht kaltblütig vor die
Staffelei gesetzt, so wie auch gewöhnlich unser Albrecht arbeitet, und dann dem
Werke seinen Lauf gelassen, überzeugt, dass es so werden müsse, wie es ihnen gut
dünkt.
    Meine Wanderung bringt oft sonderbare
