 alle schaffende
und wirkende Kraft in uns zurückzuliefern, und Gottes Segen obendrein, so dass
wir dann mit Grossherzigkeit wieder an unsere Arbeit gehen mögen. Ach Lieber! die
ganze menschliche Geschäftigkeit läuft im Grunde so auf gar nichts hinaus, dass
wir nicht einmal sagen können: dieser Mensch ist unnütz, jener aber nützlich. Es
ist die Erde zum Glück so eingerichtet, dass wir alle darauf Platz finden mögen,
groß und klein, Vornehme und Geringe. Mir ist es in meinen jüngeren Jahren oft
ebenso wie Dir ergangen, aber die guten Stunden kommen doch immer wieder. Wärst
Du ohne Anlage und Talent, so würdest Du diese Leere in Deinem Herzen niemals
empfinden.
    Mein Weib lässt Dich grüßen. Bleib nur immer der Wahrheit treu, das ist die
Hauptsache. Deine fromme Empfindung, so schön sie ist, kann Dich zu weit leiten,
wenn Du Dich nicht von der Vernunft regieren lässest. Nicht eigentlich zu weit;
denn man kann gewiss und wahrlich nicht zu fromm und andächtig sein, sondern ich
meine nur, Du dürftest endlich etwas Falsches in Dein Herz aufnehmen, das Dich
selber hinterginge, und so unvermerkt ein Mangel an wahrer Frömmigkeit entstehn.
Doch sage ich dieses gar nicht, um Dich zu tadeln, sondern es geschieht nur,
weil ich an manchen sonst guten Menschen dergleichen bemerkt habe, wenn sie an
Gott und die Unsterblichkeit mit zu großer Rührung, und nicht mit froher
Erhebung der Seele gedacht haben, mit weichherziger Zerknirschung und nicht mit
erhabner Mutigkeit, so sind sie am Ende in einen Zustand von Weichlichkeit
verfallen, in welchem sie die tröstende wahre Andacht verlassen hat, und sie
sich und ihrem Kleinsinn überlassen blieben. Doch wie ich sage, es gilt nicht
Dir, denn Du bist zu gut, zu herzlich, als dass Du je darin verfallen könntest,
und weil Du große Gedanken hegst, und mit warmer brünstiger Seele die Bibel
liesest und die heiligen Geschichten, so wirst Du auch gewisslich ein guter Maler
werden, und ich werde noch einst stolz auf Dich sein.
    Suche recht viel zu sehen, und betrachte alle Kunstsachen genau und wohl,
dadurch wirst Du Dich endlich gewöhnen mit Sicherheit selbst zu arbeiten und zu
erfinden, wenn Du an allen das Vortreffliche erkennst, und auch dasjenige, was
einen Tadel zulassen dürfte. Dein Freund Sebastian ist ein ganz melancholischer
Mensch geworden, seit Du von uns gereist bist; ich denke, es soll sich wohl
wieder geben, wenn erst einige Wochen verstrichen sind. Gehab Dich wohl, und
denke unsrer fleißig. - -
Durch Franzens Geist ergoss sich Heiterkeit und Stärke, er fühlte wieder seinen
Mut und seine Kraft. Albrechts Stimme berührte ihn wie die Hand einer stärkenden
Gottheit, und er spürte in allen Adern seinen
