, ist seine Göttin, seine Geliebte, sie lächelt ihn an, sie
ist gern in seiner Gegenwart.
    Wie ist es möglich, wenn man diese Bilder gesehen hat, dass man noch vom
Kolorit geringschätzend sprechen kann? Wer würde nicht von der Allmacht der
Schönheit besiegt werden, wenn sie sich ihm nackt und unverhüllt, ganz in Liebe
hingegeben, zu zeigen wagte? - Das Studium dieser himmlischen Jugendgeister hat
die große Zauberei erfunden, dies und noch mehr unsern Augen möglich zu machen.
    Was die Gesänge des liebenden Petrarka wie aus der Ferne herüberwehen,
Schattenbilder im Wasser, die mit den Wogen wieder wegfliessen, was Ariosts
feuriger Genius nur lüstern und in der Ferne zeigen kann, wonach wir sehen und
es doch nicht entdecken können, im Walde fernab die ungewissesten Spuren, die
dunkeln Gebüsche verhüllen es, sosehr wir danach irren und suchen; alles das
steht in der allerholdseligsten Gegenwart dicht vor uns. Es ist mehr, als wenn
Venus uns mit ihrem Knaben selber besuchte, der Genuss an diesen Bildern ist die
hohe Schule der Liebe, die Einweihung in die höchsten Mysterien, wer diese
Gemälde nicht verehrt, versteht und sich an ihnen ergötzt, der kann auch nicht
lieben, der muss nur gleich sein Leben an irgendeine unnütze, mühselige
Beschäftigung wegwerfen, denn ihm ist es verborgen, was er damit anfangen kann.
    Eine Zeichnung mag noch so edel sein, die Farbe bringe erst die Lebenswärme,
und ist mehr und inniger, als der körperliche Umfang der Bildsäule.
    Auch in seinen geistlichen Kompositionen spiegelt sich eine liebende Seele,
der Gürtel der Venus ist auch hier verborgen, und man weiß immer nicht, welche
seiner Figuren ihn heimlich trägt. Auge und Herz bleiben gern verweilend
zurückgezogen; der Mensch fühlt sich bei ihm in der Heimat der glücklichsten
Poesie, er denkt: ja, das war es, was ich suchte, was ich wollte und es immer zu
finden verzweifelte. Vulkans künstliches Netz zieht sich unzerreissbar um uns
her, und schließt uns eng und enger an Venus, die vollendete Schönheit an.
    Es herrscht in seinen Bildern nicht halbe Lüsternheit, die sich verstohlen
und ungern zu erkennen gibt, die der Maler erraten lässt, der sich gleich darauf
gern wieder zurückzöge, um viel zu verantworten zu haben, sich aber auch
wirklich zu verantworten; es ist auch nicht gemeine Sinnlichkeit, die sich gegen
den edleren Geist empört, um sich nur blosszustellen, um in frecher Schande zu
triumphieren, sondern die reinste und hellste Menschheit, die sich nicht schämt,
weil sie sich nicht zu schämen braucht, die in sich selbst durchaus glückselig
ist. Es ist, so möcht ich sagen, der Frühling, die Blüte der Menschheit: alles
im vollen, schwelgenden Genuss, alle
