 erkundet jede Miene.
Der Alte ist verdrießlich,
Um ihn in tausend Falten
Ein weiter Mantel geschlagen.
Es ist der launige Phantasus,
Ein wunderlicher Alter,
Folgt stets seiner närrischen Laune,
Sie haben ihn jetzt festgebunden,
Dass er nur seine Possen lässt,
Vernunft im Denken nicht stört,
Den armen Menschen nicht irrt,
Dass er sein Tagsgeschäft
In Ruhe vollbringe,
Mit dem Nachbar verständig spreche
Und nicht wie ein Tor erscheine.
Denn der Alte hat nie was Kluges im Sinn,
Immer tändelt er mit dem Spielzeug
Und kramt es aus, und lärmt damit
Sowie nur keiner auf ihn sieht und achtet.
Der alte Mann schweigt und runzelt die Stirn,
Als wenn er die Rede ungern vernähme,
Schilt gern alles langweilig,
Was in seinen Kram nicht taugt.
Der Mensch handelt, denkt, die Pflicht
Wird indes treu von ihm getan;
Fällt in die Augen das Abendrot hinein,
Stehn Schlummer und Schlaf aus ihrem Winkel auf
Da sie den Schimmer merken.
Vernunft muss ruhen und wird zu Bett gebracht,
Schlummer singt ihr ein Wiegenlied:
Schlaf ruhig, mein Kind, morgen ist auch noch ein
Tag!
Musst nicht alles auf einmal denken,
Bist unermüdet und das ist schön,
Wirst auch immer weiter kommen,
Wirst deinem lieben Menschen Ehre bringen,
Er schätzt dich auch über alles,
Schlaf ruhig, schlaf ein. -
»Wo ist meine Vernunft geblieben?« sagt der Mensch,
»Geh Erinnrung, und such sie auf.«
Erinnrung geht und trifft sie schlafend,
Gefällt ihr die Ruhe auch,
Nicht über der Gefährtin ein.
»Nun werden sie gewiss dem Alten die Hände frei machen«,
Denkt der Mensch, und fürchtet sich schon.
Da kommt der Schlaf zum Alten geschlichen,
Und sagt: »Mein Bester, du musst erlahmen,
Wenn dir die Glieder nicht aufgelöset werden,
Pflicht, Vernunft und Verstand bringen dich ganz herunter,
Und du bist gutwillig, wie ein Kind.« -
Indem macht der Schlaf ihm schon die Hände los,
Und der Alte schmunzelt: »Sie haben mir viel zu danken,
Mühsam hab ich sie erzogen,
Aber nun verachten sie mich alten Mann,
Meinen ich würde kindisch,
Sei zu gar nichts zu gebrauchen.
Du, mein Liebster, nimmst dich mein noch an,
Wir beide bleiben immer gute Kameraden.«
Der Alte steht auf und ist der Banden frei,
Er schüttelt sich vor Freude:
Er breitet den weiten Mantel aus,
Und aus allen Falten stürzen wunderbare Sachen
Die er mit Wohlgefallen ansieht.
Er kehrt den Mantel um und spreitet ihn weit umher,
Eine bunte Tapete ist die untre Seite.
Nun hantiert Phantasus in seinem Zelte
Und weiß sich vor Freuden nicht zu lassen.
Aus Glas und
