 Werk zu richten
wissen, weil sie selber mit den Geistesbedürfnissen der Menge, der Liebhaber und
Unkenner vertraut sind. Sie erblicken wohl gar beim echten Künstler Mangel, und
glauben über seine Fehler und Schwächen urteilen zu können, weil er vorsätzlich
das verschmäht hat, was ihnen an ihren Lieblingen gefällt. Warum kein Künstler
noch diese Größe erstrebt hat? Wer hat denn richtigen Begriff von seiner Kunst,
um das Beste zu wollen? Ja, wer von den Künstlern will denn überhaupt irgendwas?
Sie können sich ja nie von ihrem Talente Rechenschaft geben, das sie blindlings
ausüben, sie sind ja zufrieden, wenn sie den leichtesten Wohlgefallen erregen,
auf welchem Wege es auch sei. Sie wissen ja gar nicht, dass es eine Kunst gibt,
woher sollen sie denn erfahren, dass diese Kunst eine höchste, letzte Spitze
habe. Mit Michael Angelo ist die Kunst erst geboren worden, und von ihm wird
eine Schule ausgehn, die die erste ist und bald die einzige sein wird.«
    »Und wie meint Ihr«, fragte Franz, »dass dann die Kunst beschaffen sein
wird?«
    »Man wird«, sagte Bolz, »die unnützen Bestrebungen, die schlechten Manieren
ganz niederlegen, und nur dem allmächtigen Buonarotti folgen. Es ist in jeder
ausgeübten Kunst natürlich, dass sie sich vollendet, wenn nur ein erhabener Geist
aufgestanden ist, der den Irrenden hat zurufen können: dorthin meine Freunde,
geht der Weg! Das hat Buonarotti getan, und man wird nachher nicht mehr zweifeln
und fragen, was Kunst sei. In jeglicher Darstellung wird dann ein großer Sinn
liegen, und man wird die gewöhnlichen Mittel verschmähen, um zu gefallen. Jetzt
nehmen fast alle Künstler die Sinnen in Anspruch, um nur ein Interesse zu
erregen, dann wird das Ideal verstanden werden.«
    Indem war es ganz dunkel geworden. Der Mond stieg eben unten am Horizont
herauf, sie hatten schon fernher Hammerschläge gehört, jetzt standen sie vor
einer Eisenhütte, in der gearbeitet wurde. Der Anblick war schön; die Felsen
standen schwarz umher, Schlacken lagen aufgehäuft, dazwischen einzelne grüne
Gesträuche, fast unkenntlich in der Finsternis. Vom Feuer und dem funkenden
Eisen war die offene Hütte erhellt, die hämmernden Arbeiter, ihre Bewegungen,
alles glich bewegten Schatten, die von dem hellglühenden Erzklumpen angeschienen
wurden. Hinten war der wildbewachsene Berg so eben sichtbar, auf dem alte Ruinen
auf der Spitze vom aufgehenden Monde schon beschimmert waren: gegenüber waren
noch einige leichte Streifen des Abendrots am Himmel.
    Bolz rief aus: »Seht den schönen, bezaubernden Anblick!«
    Auch Sternbald war überrascht, er stand eine Weile in Gedanken und schwieg,
dann rief er aus: »Nun, mein Freund, was könntet Ihr sagen
