Ihr mögt in einiger Hinsicht nicht unrecht haben«, sagte Franz.
    »Wer sich der Kunst ergibt«, sagte jener weiter, »muss das, was er als Mensch
ist und sein könnte, aufopfern. Was aber das schlimmste ist, so suchen jene
Leute, die sich für Künstler wollen halten lassen, noch allerhand Seltsamkeiten
und auffallende Torheiten zusammen, um sie recht eigentlich zur Schau zu tragen,
als Orden oder Ordenskreuz, in Ermangelung dessen, damit man sie in der Ferne
gleich erkennen soll, ja sie halten darauf mehr, als auf ihre wirkliche Kunst.
Hütet Euch davor, Herr Maler.«
    »Man erzählt doch von manchem großen Manne«, sagte Franz, »der von
dergleichen Torheiten frei geblieben ist.«
    »Nennt mir einige«, rief Ludovico.
    Sternbald sagte: »Zum Beispiel der edle Malergeist Raffael Sanzio von
Urbin.«
    »Ihr habt recht«, sagte der heftige Ritter, »und überhaupt«, fuhr er nach
einem kleinen Nachdenken fort, »lasst Euch meine Rede nicht so sehr auffallen,
denn sie braucht gar nicht so ganz wahr zu sein. Ihr habt mich mit dem einzigen
Namen beschämt und in die Flucht geschlagen, und alle meine Worte erscheinen mir
nun wie eine Lästerung auf die menschliche Größe. Ich bin selbst ein Tor, das
wollen wir für ausgemacht gelten lassen.«
    Roderigo sagte: »Du hast manche Seiten von dir selbst geschildert.«
    »Mag sein«, sagte sein Freund, »man kann nichts Bessers und nichts
Schlechters tun. Lasst uns lieber von der Kunst selber sprechen. Ich habe mir in
vielen Stunden gewünscht, ein Maler zu sein.«
    Sternbald fragte: »Wie seid Ihr darauf gekommen?«
    »Erstlich«, antwortete der junge Ritter, »weil es mir ein großes Vergnügen
sein würde, manche von den Mädchen so mit Farben vor mich hinzustellen, die ich
wohl ehemals gekannt habe, dann mir andre noch schönere abzuzeichnen, die ich
manchmal in glücklichen Stunden in meinem Gemüte gewahr werde. Dann erleide ich
auch zuweilen recht sonderbare Begeisterung, so dass mein Geist sehr heftig
bewegt ist, dann glaube ich, wenn mir die Geschicklichkeit zu Gebote stände, ich
würde recht wunderbare und merkwürdige Sachen ausarbeiten können. Seht, mein
Freund, dann würde ich einsame, schauerliche Gegenden abschildern, morsche
zerbrochene Brücken über zwei schroffen Felsen, einem Abgrunde hinüber, durch
den sich ein Waldstrom schäumend drängt: verirrte Wandersleute, deren Gewänder
im feuchten Winde flattern, furchtbare Räubergestalten aus dem Hohlwege heraus,
angefallene und geplünderte Wägen, Kampf mit den Reisenden. - Dann wieder eine
Gemsenjagd in einsamen, furchtbaren Felsenklippen, die kletternden Jäger, die
springenden, gejagten Tiere von oben herab, die
