 sagte dann zu mir selber: Tor! Tor! und wahrlich, ich
verachtete in eben dem Augenblicke den Menschen, der diese Torheit nicht mit mir
hätte begehen können.«
    Unter mancherlei Erzählungen verstrich auch dieser Tag, der Einsiedel sagte
oft: »Ich begreife nicht, wie ich in eurer Gesellschaft bin, ich bin wohl und
sogar lustig, ja meine Lebensweise ist mir weniger angenehm, als bisher. Ihr
steckt uns alle mit der Reisesucht an; ich glaubte über alle Torheiten des
Lebens hinüber zu sein, und ihr weckt eine neue Lust dazu in mir auf.«
    Am folgenden Morgen nahmen sie Abschied; der Pilgrim hatte sich mit dem
Einsiedel völlig versöhnt, sie schieden als gute Freunde. Ludovico führte den
Zug an, die übrigen folgten ihm.
    Auf dem Wege erkundigte sich Ludovico nach Sternbald und seinem Gefährten
Florestan, er lachte über diesen oft, der sich alle Mühe gab, von ihm bemerkt zu
werden, Sternbald war still, und begleitete sie in tiefen Gedanken. Ludovico
sagte zu Franz, als er hörte, dieser sei ein Maler: »Nun, mein Freund, wie
treibt Ihr es mit Eurer Kunst? Ich bin gern in der Gesellschaft von Künstlern,
denn gewöhnlich sind es die wunderlichsten Menschen, auch fallen wegen ihrer
seltsamen Beschäftigung alle ihre Launen mehr in die Augen, als bei andern
Leuten. Ihr Stolz macht einen wunderlichen Kontrast mit ihrem übrigen Verhältnis
im Leben, ihre poetischen Begeisterungen tragen sie nur zu oft in alle Stunden
über, auch unterlassen sie es selten, die Gemeinheit ihres Lebens in ihre
Kunstbeschäftigungen hineinzunehmen. Sie sind schmeichelnde Sklaven gegen die
Großen, und doch verachten sie alles in ihrem Stolze, was nicht Künstler ist.
Aus allen diesen Misshelligkeiten entstehen gewöhnlich Charaktere, die lustig
genug ins Auge fallen.«
    Franz sagte beschämt: »Ihr seid ein sehr strenger Richter, Herr Ritter.«
    Ludovico fuhr fort: »Ich habe noch wenige Künstler gesehen, bei denen man es
nicht in den ersten Augenblicken bemerkt hätte, dass man mit keinen gewöhnlichen
Menschen zu tun habe. Fast alle sind unnötig verschlossen und zudringlich
offenherzig. Ich habe mich selbst zuweilen geübt, dergleichen Leute
darzustellen, und es niemals unterlassen, diese Seltsamkeiten in das hellste
Licht zu stellen. Es fällt gewiss schwer, Mensch wie die übrigen zu bleiben, wenn
man sein Leben damit zubringt, etwas zu tun und zu treiben, wovon ein jeder
glaubt, dass es übermenschlich sei: in jedem Augenblicke zu fühlen, dass man mit
dem übrigen Menschengeschlechte eben nicht weiter zusammenhänge. Diese
Sterblichen leben nur in Tönen, in Zeichen, gleichsam in einem Luftreviere wie
Feen und Kobolde, es ist nur scheinbar, wenn man sie glaubt die Erde betreten zu
sehen.«
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