 was ich bin.
Eine große Fabrik und viele Arbeiter stehen unter mir, zu deren Aufsicht, so wie
zum Führen meiner Rechnungen ich immer treue Leute brauche. Wenn Ihr wollt, so
könnt Ihr mit einem sehr guten Gehalte bei mir eintreten, weil mir grade mein
erster Aufseher gestorben ist. Ihr habt ein sichres Brot und ein gutes
Auskommen, Ihr könnt Euch hier verheiraten und sogleich antreffen, was Ihr in
einer ungewissen zukünftigen Ferne sucht. - Wollt Ihr also Eure Reise einstellen
und bei mir bleiben?«
    Franz antwortete nicht.
    »Ihr mögt vielleicht viel Geschick zur Kunst haben«, fuhr jener fort, »aber
was habt Ihr mit alledem gewonnen? Wenn Ihr auch ein großer Meister werdet, so
führt Ihr doch immer ein kümmerliches und höchst armseliges Leben. Ihr habt ja
das Beispiel an Eurem Lehrer. Wer erkennt ihn, wer belohnt ihn? Mit allem seinem
Fleiße muss er sich doch von einem Tage zum andern hinübergrämen, er hat keine
frohe Stunde, er kann sich nie recht ergötzen, niemand achtet ihn, da er ohne
Vermögen ist, statt dass er reich, angesehen und von Einfluss sein könnte, wenn er
sich den bürgerlichen Geschäften gewidmet hätte.«
    »Ich kann Euren Vorschlag durchaus nicht annehmen«, rief Franz aus.
    »Und warum nicht? ist denn nicht alles wahr, was ich Euch gesagt habe?«
    »Und wenn es auch wahr ist«, antwortete Franz, »so kann ich es doch so
unmöglich glauben. Wenn Ihr das Zeichnen und Bilden sogleich habt unterlassen
können, als Ihr es wolltet, so ist das gut für Euch, aber so habt Ihr auch
unmöglich einen recht kräftigen Trieb dazu verspürt. Ich wüsste nicht, wie ich es
anfinge, dass ich es unterliesse, ich würde Eure Rechnungen und alles verderben,
denn immer würden meine Gedanken darauf gerichtet bleiben, wie ich diese
Stellung und jene Miene gut ausdrücken wollte, alle Eure Arbeiter würden mir nur
ebenso viele Modelle sein: Ihr wärt ein schlechter Künstler geworden, so wie ich
zu allen ernstaften Geschäften verdorben bin, denn ich achte sie zu wenig, ich
habe keine Ehrfurcht vor dem Reichtum, ich könnte mich nimmer zu diesem
kunstlosen Leben bequemen. Und was Ihr mir von meinem Albrecht Dürer sagt,
gereicht den Menschen, nicht aber ihm zum Vorwurf. Er ist arm, aber doch in
seiner Armut glückseliger als Ihr. Oder haltet Ihr es denn für so gar nichts,
dass er sich hinstellen darf und sagen: nun will ich einen Christuskopf malen!
und das Haupt des Erlösers mit seinen göttlichen Mienen in kurzem wirklich vor
Euch steht und Euch ansieht, und Euch zur Andacht und Ehrfurcht zwingt, selbst
wenn Ihr gar nicht dazu aufgelegt seid?
