 im Strudel der allgemeinen Welt, so wäre er auch dem Freunde
verloren und abgestorben. - Sieh her, mein Sohn, er hat sein Futter nicht einmal
verzehrt, so lieb ist es ihm gewesen, mich zu verlassen. Ich habe ihn so
sorgfältig gepflegt, und doch ist ihm die Freiheit lieber.«
    »Ihr habt die Menschen gewisslich recht von Herzen geliebt!« rief Sternbald
aus.
    »Nicht immer«, sagte jener, »die Tiere stehen uns näher, denn sie sind wie
kindische Kinder, deren Liebe unterhalten sein will, weil sie ungewiss und
unbegreiflich ist, mit den Menschen rechnen wir gern, und wenn wir Bezahlung
wahrnehmen, vermissen wir schon die Liebe; gegen Tiere sind wir duldend, weil
sie unsre Trefflichkeiten nicht bemerken können, und wir ihnen dadurch immer
wieder gleichstehn; indem wir aber ihre dumpfe Existenz fühlen und einsehen,
entsteht eine magische Freundschaft, aus Mitleiden, Zuneigung, ja, ich möchte
sagen, aus Furcht gemischt, die sich durchaus nicht erklären lässt. Wollt Ihr mir
folgen, junger Mensch, so will ich Euch kürzlich etwas von mir erzählen, damit
Ihr begreift, wie ich hiehergeraten bin.«
    Sie verließen die Hütte und setzten sich in den Schatten eines alten Baumes,
und der Maler fing darauf mit folgenden Worten an:
    »Ich bin in Italien geboren und heiße Anselm. Weiter kann ich Euch eben von
meiner Jugend nichts sagen. Meine Eltern starben früh, und hinterliessen mir ein
kleines Vermögen, das mir zufiel, als ich mündig war. Meine Jugend war wie ein
leichter Traum verflogen, keine Erinnerung war in meinem Gedächtnisse gehaftet,
ich hatte nicht eine Erfahrung gemacht. Aber ich hatte die entflohene Zeit auf
meine Art genossen, ich war immer zufrieden und vergnügt gewesen.
    Jetzt nahm ich mir vor, in das Leben einzutreten, und auch, wie andere,
einen Platz auszufüllen, damit von mir die Rede sei, dass ich geachtet würde.
Schon von meiner Kindheit hatte ich in mir einen großen Trieb zur Kunst gespürt,
die Malerei war es, die meine Seele angezogen hatte, der Ruhm der damaligen
Künstler begeisterte mich. Ich ging nach Perugia, weil dort Pietro in besonderem
Rufe stand, und seine Bilder in ganz Italien gesucht wurden, ihm wollte ich mich
in die Lehre geben. Aber bald ermüdete meine Geduld, ich lernte junge Leute
kennen, deren ähnliche Gemütsart mich zu ihrem vertrauten Freunde machte. Wir
waren lustig miteinander, wir sangen, wir tanzten und scherzten, an die Kunst
ward wenig gedacht.«
    Franz fiel ihm in die Rede, indem er fragte: »Könnt Ihr Euch vielleicht
erinnern, ob damals bei diesem Meister Pietro auch Raffael in der Lehre stand?
Raffael Sanzio?«
