, und die uns mit äterischem Zauber anduften und uns still
den Künstler als einen Liebling Gottes verkündigen. Seht, so denke ich über die
Natur und über die Kunst.«
    Franz erschrak vor sich selber, dass er aus dem Munde eines Mannes, den die
übrigen Leute wahnsinnig nannten, seine eigensten Gedanken deutlich
ausgesprochen hörte, so dass seine Ahndungen in anschaulichen Bildern vor ihm
schwebten.
    »Wie willkommen ist mir dieser Ton!« rief er aus, »so habe ich mich denn
nicht geirrt, wenn ich mit dem stillen Glauben hier anlangte, dass Ihr mir
behilflich sein würdet, mich aus der Irre zurechtzufinden.«
    »Wir irren alle«, sagte der Alte, »wir müssen irren, und jenseit dem Irrtume
liegt auch gewiss keine Wahrheit, beide stehen sich auch gewiss nicht entgegen,
sondern sind nur Worte, die der Mensch in seiner Unbehülflichkeit dichtete, um
etwas zu bezeichnen, was er gar nicht meinte. Versteht Ihr mich?«
    »Nicht so ganz«, sagte Sternbald.
    Der Alte fuhr fort: »Wenn ich nur malen, singen oder sprechen könnte, was
mein eigentlichstes Selbst bewegt, dann wäre mir und auch den übrigen geholfen;
aber mein Geist verschmäht die Worte und Zeichen, die sich ihm aufdrängen, und
da er mit ihnen nicht hantieren kann, gebraucht er sie nur zum Spiel. So
entsteht die Kunst, so ist das eigentliche Denken beschaffen.«
    Franz erinnerte sich, dass Dürer einst diesen Gedanken mit fast den nämlichen
Worten ausgedrückt habe. Er fragte: »Was haltet Ihr denn nun für das Höchste,
wohin der Mensch gelangen könne?«
    »Mit sich zufrieden sein«, rief der Alte, »mit allen Dingen zufrieden sein,
denn alsdann verwandelt er sich und alles um sich her in ein himmlisches
Kunstwerk, er läutert sich selbst mit dem Feuer der Gottheit.«
    »Können wir es dahin bringen?« fragte Franz.
    »Wir sollen es wollen«, fuhr jener fort, »und wir wollen es auch alle, nur
dass vielen, ja den meisten, ihr eigener Geist auf dieser seltsamen Welt zu sehr
verkümmert wird. Daraus entsteht, dass man so selten den andern, noch seltener
sich selber innewird.«
    »Ich suche nach Euren Gemälden«, sagte Sternbald, »aber ich finde sie nicht;
nach Euren Gesprächen über die Kunst darf ich etwas Großes erwarten.«
    »Das dürft Ihr nicht«, sagte der Alte mit einigem Verdruss, »denn ich bin
nicht für die Kunst geboren, ich bin ein verunglückter Künstler, der seinen
eigentlichen Beruf nicht angetroffen hat. Es ergreift manchen das Gelüste, und
er macht sein Leben elend. Von Kindheit auf war es mein Bestreben,
