 ihm die
Hand, und nötigte ihn schweigend, sich niederzusetzen, indem er sich weder
verwunderte, noch ihn als einen Fremden genauer beachtete.
    Die Hütte war mit mannigfaltigen Steinen aufgeputzt, Muscheln standen umher,
durchmengt von seltsamen Kräutern, ausgestopften Tieren und Fischen, so dass das
Ganze ein höchst abenteuerliches Ansehen erhielt. Stillschweigend holte der Alte
unserm Freunde einige Früchte, die er ihm ebenfalls mit stummer Gebärde
vorsetzte. Als Franz einige davon gegessen hatte, indem er immer den sonderbaren
Menschen beobachtete, fing er mit diesen Worten das Gespräch an: »Ich habe mich
schon seit lange darauf gefreut, Euch zu sehen, ich hoffe, Ihr zeigt mir auch
einige von Euren Malereien, denn auf diese bin ich vorzüglich begierig, da ich
mich selbst zur edlen Kunst bekenne.«
    »Seid Ihr ein Maler?« rief der Alte aus, »nun wahrlich, so freut es mich,
Euch hier zu sehen, seit lange ist mir keiner begegnet. Aber Ihr seid noch sehr
jung, Ihr habt wohl schwerlich schon den rechten Sinn für die große Kunst.«
    »Ich tue mein Mögliches«, antwortete Franz, »und will immer das Beste, aber
ich fühle freilich wohl, dass das nicht zureicht.«
    »Es ist immer schon genug«, rief jener aus; »freilich ist es nur wenigen
gegeben, das Wahrste und Höchste auszudrücken, eigentlich können wir alle uns
ihm nur nähern, aber wir haben unsern Zweck gewisslich schon erreicht, wenn wir
das wollen und erkennen, was der Allmächtige in uns hineingelegt hat. Wir können
in dieser Welt nur wollen, nur in Vorsätzen leben, das eigentliche Handeln liegt
jenseits, und besteht gewiss aus den eigentlichsten, wirklichsten Gedanken, da in
dieser bunten Welt alles in allem liegt. So hat sich der grossmächtige Schöpfer
heimlicher-und kindlicherweise durch seine Natur unsern schwachen Sinnen
offenbart, er ist es nicht selbst, der zu uns spricht weil wir dermalen zu
schwach sind, ihn zu verstehen; aber er winkt uns zu sich, und in jedem Moose, in
jeglichem Gestein ist eine geheime Ziffer verborgen, die sich nie hinschreiben,
nie völlig erraten lässt, die wir aber beständig wahrzunehmen glauben. Fast
ebenso macht es der Künstler: wunderliche, fremde, unbekannte Lichter scheinen
aus ihm heraus, und er lässt die zauberischen Strahlen durch die Kristalle der
Kunst den übrigen Menschen entgegenspielen, damit sie nicht vor ihm erschrecken,
sondern ihn auf ihre Weise verstehen und begreifen. Nun vollendet sich das Werk,
und dem es offenbart ist liegt ein weites Land, eine unabsehliche Aussicht da,
mit allem Menschenleben, mit himmlischem Glanz überleuchtet, und heimlich sind
Blumen hineingewachsen, von denen der Künstler selber nicht weiß, die Gottes
Finger hineinwirkte
