 eilt! Was könnt ihr anders, als uns die Natur nur ahnden
lassen, wenn uns die Natur die Ahndung der Gottheit gibt? Nicht Ahndung, nicht
Vorgefühl, urkräftige Empfindung selbst, sichtbar wandelt hier auf Höhen und
Tiefen die Religion, empfängt und trägt mir gütigem Erbarmen auch meine
Anbetung. Die Hieroglyphe, die das Höchste, die Gott bezeichnet, liegt da vor
mir in tätiger Wirksamkeit, in Arbeit, sich selber aufzulösen und auszusprechen,
ich fühle die Bewegung, das Rätsel im Begriff zu schwinden - und fühle meine
Menschheit. - Die höchste Kunst kann sich nur selbst erklären, sie ist ein
Gesang, deren Inhalt nur sie selbst zu sein vermag.«
    Ungern verließ Sternbald seine Begeisterung, und die Gegend, die ihn
entzückt hatte, ja er trauerte über diese Worte, über diese Gedanken, die er
ausgesprochen, dass er sie nicht immer in frischer Kraft aufbewahren könne, dass
neue Eindrücke und neue Gedanken diese Empfindungen vertilgen oder überschütten
würden.
    Ein dichter Wald empfing ihn auf der Höhe, er warf oft den Blick zurück und
schied ungern, als wenn er das Leben verliesse. Der einsame Schatten erregte ihm
gegen die freie Landschaft eine beklemmende Empfindung. Als er kaum eine halbe
Stunde gegangen war, stand er vor einer kleinen Hütte, die offen war, in der er
aber niemand traf. Ermüdet warf er sich unter einen Baum, und betrachtete die
beschränkte Wohnung, das dürftige Gerät, mit vieler Rührung eine alte Laute, die
an der Wand hing, und auf der eine Saite fehlte. Paletten und Farben lagen und
standen umher, so wie einige Kleidungsstücke; Sternbald war wie in die uralte
Zeit versetzt, von der wir so gern erzählen hören, wo die Tür noch keinen Riegel
kennt, wo noch kein Frevler des andern Gut betastet hat.
    Nach einiger Zeit kam der alte Maler zurück; er wunderte sich gar nicht,
einen Fremdling vor seiner Schwelle anzutreffen, sondern ging in seine Hütte,
räumte auf, und spielte dann auf der Zither, als wenn niemand zugegen wäre.
Franz betrachtete den Alten mit Verwunderung, der indessen wie ein Kind in
seinem Hause saß, und zu erkennen gab, wie wohl ihm in seiner kleinen Heimat
sei, unter den befreundeten, wohlbekannten Tönen seines Instrumentes. Als er
sein Spiel geendigt, packte er Kräuter, Moos und Steine aus seinen Taschen, und
legte sie sorgfältig in kleine Schachteln zurecht, indem er jedes aufmerksam
betrachtete. Über manches lächelte er, anderes schien er mit einiger
Verwunderung anzuschauen, indem er die Hände zusammenschlug, oder ernstaft den
Kopf schüttelte. Immer noch sah er nach Sternbald nicht hin, bis dieser endlich
in das kleine Haus trat, und ihm seinen Gruß anbot. Der alte Mann gab
