, wo die Gegend
plötzlich ihren anmutigen Charakter verließ, und wilder und verworrener ward;
die Aussicht in das ebene Land schloss sich, man verlor den vollen herrlichen
Strom aus dem Gesichte, und die Berge und Felsen wurden kahl und unfreundlich.
    Der Weg wand sich enge und schmal zwischen Felsen hindurch, Tannengebüsch
wechselte auf dem nackten Boden, und nach einer Stunde stand Franz auf dem
höheren Gipfel des Gebirges.
    Nun war es wieder wie ein Vorhang niedergefallen, seinen Blicken öffnete
sich die Ebene von neuem, die kahlen Felsen unter ihm verloren sich lieblich in
dem grünen Gemisch der Wälder und Wiesen, die unfreundliche Natur war
verschwunden, sie war mit der lieblichen Aussicht eins, von dem übrigen
verschönert diente sie selbst die andern Gegenstände zu verschönern. Da lag die
Herrlichkeit der Ströme, der Berge, der Wälder vor ihm ausgebreitet, er glaubte
vor dem plötzlichen Anblick der weiten, unendlichen, mannigfaltigen Natur zu
vergehen, denn es war, als wenn sie mit herzdurchdringender Stimme zu ihm
hinaufsprach, als wenn sie mit feurigen Augen vom Himmel und aus dem glänzenden
Strom heraus nach ihm blickte, und mit ihren Riesengliedern nach ihm hindeutete.
Franz streckte die Arme aus, als wenn er etwas Unsichtbares an sein ungeduldiges
Herz drücken wollte, als möchte er nun erfassen und festhalten, wonach ihn die
Sehnsucht so lange gedrängt. Die Wolken zogen unten am Horizont durch den blauen
Himmel, die Widerscheine und die Schatten streckten sich auf den Wiesen aus und
wechselten mit ihren Farben, fremde Wundertöne gingen den Berg hinab, und Franz
fühlte sich wie ein Gebannter festgehalten, den die zaubernde Gewalt stehen
heißt, und der sich dem unsichtbaren Kreise, trotz allen Bestrebens, nicht
entreißen kann.
    »O unmächtige Kunst!« rief er aus und setzte sich auf eine grüne Felsenbank
nieder: »wie lallend und kindisch sind deine Töne gegen den vollen harmonischen
Orgelgesang, der aus den innersten Tiefen, aus Berg und Tal und Wald und
Stromesglanz in schwellenden, steigenden Akkorden heraufquillt! Ich höre, ich
vernehme, wie der ewige Weltgeist mit meisterndem Finger die furchtbare Harfe
mit allen ihren Klängen greift, wie die mannigfaltigsten Gebilde sich seinem
Spiel erzeugen, und über die ganze Natur mit geistigen Flügeln ausbreiten. Die
Begeisterung meines kleinen Menschenherzens will hineingreifen, und ringt sich
müde und matt im Kampfe mit dem Hohen, der die Natur leise lieblich regiert, und
mein Händeringen nach ihm, mein Winken nach Hilfe in dieser Allmacht der
Schönheit still belächelt. Die unsterbliche Melodie jauchzt, jubelt und stürmt
über mich hinweg, zu Boden geworfen schwindelt mein Blick und starren meine
Sinnen. O ihr Törichten! die ihr der Meinung seid, die allgewaltige Natur lasse
sich verschönen, wenn ihr mit Kunstgriffen und kleinlicher Hinterlist eurer
Ohnmacht zu Hilfe
