, wie sie es fühlt, dass jener sie
sucht und wünscht, dass das leichte Verhältnis sich fest und fester knüpfen soll,
so zieht sie sich zurück, doch ohne den Faden zu zerschneiden, an welchem der
Gefangene flattert. So hatten sich ihr viele Männer mancherlei Gemütes aus der
Nachbarschaft und Ferne genähert, und alle waren in diese seltsame Jagd befangen
worden. So gewöhnt, aus dem Leben, der Liebe, der Rührung und dem süßen Wechsel
zarter Empfindungen ein Spiel zu machen, und jeden neuen Gegenstand als Spiegel
zu gebrauchen, in welchem sie sich selbst nur mit Wohlgefallen betrachtete,
erschien ihr endlich jener Ritter aus Franken, von dem sie Euch erzählt hat. Er
war ein feingebildeter, ja schöner Mann, weich und poetisch wie sie selbst,
ebenso in Träumen lebend und süßen Gefühlen schwelgend. Sie wurden sich bald
unentbehrlich, einer schien des andern nur bedurft zu haben, um den ganzen
Reichtum seines innern Lebens zu erkennen und zu genießen. Endlich war gefunden,
was sie umsonst bisher gesucht hatte, und sie erklärten laut ihre bevorstehende
Verbindung.
    Das ernste Wort war ausgesprochen, welches den Liebenden seines
unwandelbaren Glückes versichert, beide aber schienen vor diesem Ernst des
Lebens zurückzuzittern, der alle ihre Träume und ihr buntes Spielwerk zu
zerbrechen drohte. Und gewiss, hat die Leidenschaft nicht so alle Kräfte
ergriffen, die tiefste Sehnsucht das ganze Herz so durchdrungen, dass beide sich
wie zum Tode gern und willig opfern, und keine Jugend mehr leben, und keine
neuen Wünsche und Rührungen mehr finden wollen, so darf die Seele, die in den
Wogen des Wohllauts schwimmt und mit Träumen der Entzückungen gaukelt, davor
erzittern, dass nun das Höchste, das letzte Ziel errungen werden soll, hinter
welchem Wahrheit, Ruhe, stille Befriedigung, wie ebenso viele graue Gespenster
hervorzudrohen scheinen. So denke ich mir ihren Zustand, um mir einigermaßen zu
erklären, was geschah. Er mochte in sich, noch mehr aber im Gegenstande seiner
Liebe fühlen, wie das Herz noch etwas anderes als dieser Liebe bedürfe, wie sie
nicht ihn selbst, sondern nur die Schimmer der Phantasie vergötterte, die aus
ihr zu ihm hinüberleuchteten, und darum erweckte er sich freiwillig aus seinem
Traume, und entfloh.
    Sie war tief gekränkt, gestört, aber wie ich sie kenne, nicht wahrhaft
unglücklich. Die Trauer und der Schmerz waren noch nie in ihre Seele gekommen,
nun konnte sie sich an diesen üben, und sie zu ihren Spielgefährten machen. Sie
schmückte sie auch so reizend auf, sie machte sie so schön, dass man zugeben
musste, dass sich neue wundersame Gaben und Bezauberungen an diesem
verführerischen Weibe durch sie entüllten, und ich machte die Erfahrung, dass
ich sie anbetete, indem ich ihr
