; »aber wahr ist es, dass diese Gebäude, die
vielleicht allein den Deutschen angehören, den Namen des Volkes unsterblich
machen müssen. Der Dom zu Wien, der unvollendete mächtige Bau in Köln, und jener
in Strassburg sind die hellsten Sterne; und wie lieblich ist der kleine Dom
drüben im breisgauschen Freiburg, mancher andern in Esslingen, oder Meissen, und
an andern Orten nicht zu erwähnen. Vielleicht erfahren wir auch noch einmal, dass
alles, was England, Spanien und Frankreich von dieser Art Herrliches besitzt,
von deutschen Meistern ist gegründet worden. Dergleichen findet Ihr nun freilich
in Italien nicht, denn der Italiener, der alles verwirft, was nicht sein ist,
kennt nur als gotisch oder deutsch die unreifen rohen Steinmassen zu Mailand und
Pisa, oder gar das unzusammenhängende Gebäude des Domes zu Lucca. - Aber wir
müssen uns trennen. Ihr kommt jetzt, junger Mann, nach Italien, indem es
vielleicht seine glänzendste Epoche gefeiert hat. Ihr werdet viele große und
verdiente Männer antreffen, und was an ihnen das Schönste ist, erkennen. Die
meisten arbeiten in der Stille. Vielleicht kommt aber bald die Zeit, wo es mit
der wahren, hohen Kunst zu Ende ist, denn man fängt schon an zu schwatzen statt
zu handeln, von manchen großen Meistern vererbt sich statt des Tiefsinns ein
unnützer Hang zum Grübeln, der die Kraft erlahmt, oder ein seichtes, leeres
Spiel mit Gedanken und ein Tändeln mit der Kunst; oder es entsteht wohl der
Afterentusiasmus, die Lüge, die das wahrhaft Edle herabwürdigen.«
    Sie gingen auseinander, und Franz überdachte die letzten Worte, die ihm
nicht ganz verständlich waren.
 
                                Drittes Kapitel
Indem Rudolph und Franz ihren Weg fortsetzten, sprachen sie über ihre Begleiter,
die sie verlassen hatten. Franz sagte: »Ich kann es mir nicht erklären, warum
ich vom ersten Augenblicke einen unbeschreiblichen Widerwillen gegen diesen
Bildhauer empfunden habe, der sich mit jedem Worte, das er sprach, vermehrte;
selbst die freundliche Art, mit der er am Ende Abschied nahm, war mir recht im
Herzen zuwider.«
    »Der Geistliche«, antwortete Rudolph, »hatte im Gegenteil etwas Anlockendes,
das gleich mein Zutrauen gewann; er schien ein sanfter, freundlicher Mensch, der
jedem wohlwollte. Nur möchte ich glauben, dass er dem Stande nicht angehört,
dessen Kleidung er trägt, denn sein Gang war zu frei und männlich.«
    »Er hätte uns«, fuhr Sternbald fort, »die Geschichte des alten Mannes
erzählen sollen, von dem er sprach; eine sonderbare Neugier bemächtigte sich
meiner, und es schmerzt mich, so von ihm geschieden zu sein, denn es gibt
Begebenheiten, aus deren Erzählung man für sein ganzes Leben lernen kann
