 zu retten, große Hirtenhunde hatten sich,
aufgescheucht vom Getümmel, an sie gemacht, und ich kam eben hinzu, als die
wilden Tiere, die dort sehr gefährlich sind, sie anfallen wollten, und sie, fast
ohnmächtig, den Versuch machte, einen Baum hinanzuklimmen. Das, Herr Maler, war
eine Szene, der Darstellung würdig. Der grüne, dunkelschattige Wald, das
Getümmel der Jagd, ein aufgescheuchtes Weib, mit langem fliegenden Goldhaar, das
Gewand in Unordnung, der Busen fast frei, Fuß und schönes Bein von der Stellung
entblößt. Seht, so habe ich Euch auch aus meiner Erinnerung eine Geschichte
erzählt, denn dieses hohe himmlische Bild schwebt mir so vor, dass sie allein
mich bewegen könnte, nach Italien zurückzugehn.«
    Franz dachte unwillkürlich an seine Unbekannte, und der Mönch sagte: »Ich
kann den Gegenstand so besonders malerisch nicht finden, er ist alltäglich und
bedeutungslos.«
    »Nachdem ihn der Maler nehmen dürfte«, fiel Franz ein.
    Sie waren einen Berg hinangestiegen und standen nun ermüdet still. Indem sie
sich an der Aussicht ergötzten, und den Krümmungen des Rheins durch die grünen
Gefilde folgten, der sich glänzend um Hügel schmiegte, wieder erschien, und dann
von Schatten und Wald verschlungen, plötzlich in entfernteren Biegungen von
neuem hervorleuchtete, rief Franz aus: »Mich dünkt, ich sehe noch ganz in der
Ferne den Münster!«
    Sie sahen alle hin, und ein jeglicher glaubte ihn zu entdecken. »Der
Münster«, sagte Bolz, »ist noch ein Werk, das den Deutschen Ehre macht!«
    »Das aber doch gar nicht zu Euren Begriffen vom Idealischen und Erhabenen
passt«, antwortete Franz.
    »Was gehen mich meine Begriffe an?« sagte der Bildhauer; »ich kniee in
Gedanken vor dem Geiste nieder, der diesen allmächtigen Bau entwarf und
ausführte. Wahrlich, es war ein seltener Geist, der es wagte, diesen Baum mit
Ästen, Zweigen und Blättern so hinzustellen, immer höher den Wolken mit seinen
Felsmassen entgegenzugehn, und ein Werk hinzuzaubern, das gleichsam ein Bild der
Unendlichkeit ist.«
    Sternbald sagte: »Wie freue ich mich, dass es mir so wohl geworden ist,
dieses Denkmal deutscher Kunst und Seelenhoheit gesehen zu haben. Mit welcher
lauten Stimme wird der Name Erwins durch die Welt gerufen, und wie fühlen wir im
Anschauen dieses Monumentes die Unsterblichkeit des Menschengeistes. Hier ist
eine Erhabenheit ausgesprochen, für die kein andres Zeichen, keine andre Kunst,
ja selbst der unendliche Gedanke nicht genügte; die Vollendung der Symmetrie,
die kühnste allegorische Dichtung des menschlichen Geistes, diese Ausdehnung
nach allen Seiten, und über sich in den Himmel hinein; das Endlose und in sich
selbst Geordnete; die
