 eisgrauer Nachbar die
Gesellschaft, um den sich besonders die Kinder drängten und verlangten, dass er
ihnen wieder eine Geschichte erzählen solle; die Alten mischten sich auch
darunter und baten, dass er ihnen wieder von heiligen Märtyrern vorsagen möchte,
nichts Neues, sondern was er ihnen schon oft erzählt habe, je öfter sie es
hörten, je lieber würde es ihnen. Der Nachbar war auch willig und trug die
Geschichte der heiligen Genoveva vor, dann des heiligen Laurentius, und alle
waren in tiefer Andacht verloren. Franz war überaus gerührt. Noch in derselben
Nacht fing er einen Brief für seinen Freund Sebastian an, am Morgen nahm er
herzlich von seinen Wirten Abschied, und kam am folgenden Tage in eine kleine
Stadt, wo er den Brief an seinen Freund beschloss. Wir teilen unsern Lesern
diesen Brief mit.
Liebster Bruder!
Ich bin erst seit so kurzer Zeit von Dir und doch dünkt es mir schon so lange zu
sein. Ich habe Dir eigentlich nichts zu schreiben und kann es doch nicht
unterlassen, denn Dein eigenes Herz kann Dir alles sagen, was Du in meinem Briefe
finden solltest, wie ich immer an Dich denke, wie unaufhörlich das Bild meines
teuren Meisters und Lehrers vor mir steht. Ein Schmiedegeselle wird Euch besucht
haben, den ich am ersten Tage traf, ich denke Ihr habt ihn freundlich
aufgenommen um meinetwillen. Ich schreibe diesen Brief in der Nacht, beim Schein
des Vollmonds, indem meine Seele überaus beruhigt ist; ich bin hier auf einem
Dorfe bei einem Bauer, mit dem ich vier Meilen hiehergefahren bin. Alle im Hause
schlafen, und ich fühle mich noch so munter, darum will ich noch einige Zeit
wach bleiben. Lieber Sebastian, es ist um das Treiben und Leben der Menschen
eine eigene Sache. Wie die meisten so gänzlich ihres Zwecks verfehlen, wie sie
nur immer suchen und nie finden, und wie sie selbst das Gefundene nicht achten
mögen, wenn sie ja so glücklich sind. Ich kann mich immer nicht darin finden,
warum es nicht besser ist, warum sie nicht zu ihrem eigenen Glücke mit sich
einiger werden. Wie lebt mein Bauer hier für sich und ist zufrieden, und ist
wahrhaft glücklich. Er ist nicht bloß glücklich, weil er sich an diesen Zustand
gewöhnt hat, weil er nichts Besseres kennt, weil er sich findet, sondern alles
ist ihm recht, weil er innerlich von Herzen vergnügt ist, und weil ihm
Unzufriedenheit mit sich etwas Fremdes ist. Nur Nürnberg wünscht er vor seinem
Tode noch zu sehen und lebt doch so nahe dabei; wie mich das gerührt hat!
    Wir sprechen immer von einer goldenen Zeit, und denken sie uns so weit weg,
und malen sie uns mit so sonderbaren und buntgrellen Farben
