, der kalten
dürftigen Natur nahezukommen, ihr hin und wieder einen Zug außer dem
Zusammenhange abzulauschen, und glauben dann, wenn sie ihr Machwerk in kahler
Unbedeutsamkeit stehen lassen, was Rechtes getan zu haben. So ist Euer
gepriesener Albrecht Dürer, Euer Lukas von Leiden, Euer Schoorel, ob er gleich
in Italien gewesen ist, der Schweizer Holbein, und keiner von ihnen verdient zu
den Malern gezählt zu werden.«
    »Ihr kennt sie nicht«, rief Franz unwillig aus, »oder Ihr wollt sie mit
Vorsatz verkennen. Soll denn ein Mann allein die Kunst und alle Trefflichkeit
völlig bis zum letzten Grunde erschöpft haben, so dass mit ihm, nach ihm kein
anderer nach dem Kranze greifen darf? Wie beengt und klein müsste dann das
himmlische Gebiet sein, wenn es ein einziger Geist durchschwärmte, und wie ein
Herkules an den Grenzen seine Säulen setzte, um der Nachwelt zu sagen, wie weit
sie gehen könne. Mir scheint es Barbarei und Harterzigkeit, Entwürdigung des
Künstlers selbst, den ich vergöttern möchte, wenn ich ihm ausschließlich alle
Kunst beilegen will. Bisher scheint mir Dürer der erste Maler der Welt; aber ich
kann es mir vorstellen, und er hat es selbst oft genug gesagt, wie viele
Herrlichkeiten in andern Gebieten glänzen. Ich bin entzückt, wenn ich daran
zurückdenke, welchen reichen Bilderschatz, welche Sammlung edler und lieblicher
Werke der Kunst ich allein auf meiner Reise in meinem geliebten Vaterlande
gesehen habe. Von Nürnberg aus hat sich durch Franken bis zum Rhein Liebe und
Tätigkeit verbreitet, es ist fast kein Ort, der nicht etwas Denkwürdiges
aufzuweisen hätte: und denke ich der Fülle des niederländischen Fleißes, der
großen und alten Werke, die allein das ehrwürdige Köln in seinen Mauern bewahrt,
Malereien, die wohl weit über den Johann von Eyck hinaufzusteigen scheinen, und
Größe, Kraft und tiefen Sinn aussprechen: erinnre ich mich, welche Meisterwerke
in Gewand-Figuren, in hohem Ausdruck, in Färbung und unbeschreiblicher
Lieblichkeit ich von diesem alten Johann gesehen habe; und gedenke ich der
unzähligen reizenden und mühevollen Werke den Rhein hinunter in allen Städten;
gehe von der früheren Zeit die Manieren in meiner Vorstellung durch, und treffe
dann meinen hochverehrten Dürer am Schluss dieser deutschen Jahrhunderte mit der
Palme des Verdienstes in der Hand, der gleichsam alle diese einzelnen
Bestrebungen in sich vereint, oder geahndet, und für die Zukunft noch vielfache
neue Erfindungen angedeutet hat, so freue ich mich meiner Zeit und meines
Vaterlandes, am meisten aber jenes edlen Mannes, der mich ihn Freund zu nennen
vergönnt: und wenn ich auch gerne glauben und zugeben will, dass das südliche
Land und der hohe Michel Angelo noch ungekannte Herrlichkeiten bewahrt, so werde
ich doch niemals, wie Ihr, dem
