. Zweifelt nicht, dass der Künstler in
seinem schönen Wahne die ganze Welt, und jede Empfindung seines Herzens in seine
Kunst verflicht; er führt sein Leben nur für die Kunst, und wenn die Kunst ihm
abstürbe, würde er nicht wissen, was er mit seinem übrigen Leben beginnen
sollte. Ihr erwähnt es als etwas Schändliches, dass der arme Künstler sich
genötigt sieht, um Lohn zu arbeiten, dass er das Werk seines Geistes fortgeben
muss, um seinem Körper dadurch fortzuhelfen; er ist aber deshalb eher zu
beklagen, als zu verachten. Ihr kennt die Empfindung nicht, wenn ein Mann sein
liebstes Werk, mit dem er so innig vertraut geworden ist, aus dem ihn sein
Fleiß, und so viele mühevolle Stunden anlächeln, wenn er es nun aufopfern muss,
es verstoßen und von sich entfremden, dass er es vielleicht niemals wiedersieht,
bloß des schnöden Gewinstes wegen, und weil eine Familie ihn umgibt, die Nahrung
fordert. Es ist zu bejammern, dass in unserm irdischen Leben der Geist so von der
Materie abhängig ist. O wahrlich, kein größeres Glück könnte ich mir wünschen,
als wenn mir der Himmel vergönnte, dass ich arbeiten dürfte, ohne an den Lohn zu
denken, dass ich so viel Vermögen besäße, um ganz ohne weitere Rücksicht meiner
Kunst zu leben, denn schon oft hat es mir Tränen ausgepresst, dass sich der
Künstler muss bezahlen lassen, dass er mit den Ergiessungen seines Herzens Handel
treibt, und oft von kalten Seelen in seiner Not die Begegnung eines Sklaven
erfahren muss.«
    Franz hielt eine kleine Weile ein, weil er sich wirklich die Tränen
abtrocknete, dann fuhr er fort: »Auch kann es der Kunst zu keinem Vorwurfe
gereichen, dass ihr unwürdige Menschen zu nahe treten, und sich ihr als Priester
aufdrängen. Dass es in ihr Abwege und Irrtümer geben kann, beweist eben ihre
Erhabenheit. Der Handwerker kann nur auf eine Art vortrefflich sein, in den
mechanischen Künsten ist eine Erfindung die beste; nicht also mit der göttlichen
Malerei. Je tiefer einige sinken, um so höher steigen andre; wenn es jenen
möglich ist, den Weg zu verfehlen, so ist es diesen dafür vergönnt, das
Göttliche zu erreichen, und uns wie durch himmlische Offenbarung mitzuteilen.«
    »Ihr habt Eure Sache recht wacker verteidigt«, sagte der Alte, »ob ich
gleich noch manches dagegen einwenden könnte.«
    Hier wurde das Gespräch durch die Nachricht unterbrochen, dass Vansens
Tochter plötzlich krank geworden sei. Der Vater war in der größten Unruhe, er
schickte sogleich nach einem Arzte, und besuchte seine geliebte Sara. Der Arzt
kam und versicherte, dass keine Gefahr zu besorgen sei; es war spät und die
Gesellschaft ging auseinander.
