 Schiff
regiere, bequemere Maschinen erfinde, wieder nur um besser zu essen? Ich sage es
noch einmal, das wahrhaft Hohe kann und darf nicht nützen; dieses Nützlichsein
ist seiner göttlichen Natur ganz fremd, und es fordern, heißt, die Erhabenheit
entadeln und zu den gemeinen Bedürfnissen der Menschheit herabwürdigen. Denn
freilich bedarf der Mensch vieles, aber er muss seinen Geist nicht zum Knecht
seines Knechtes, des Körpers, erniedrigen: er muss wie ein guter Hausherr sorgen,
aber diese Sorge für den Unterhalt muss nicht sein Lebenslauf sein. So halte ich
die Kunst für ein Unterpfand unsrer Unsterblichkeit, für ein geheimes Zeichen,
an dem die ewigen Geister sich wunderbarlich erkennen. Der Engel in uns strebt,
sich zu offenbaren, und trifft nur Menschenkräfte an, er kann von seinem Dasein
nicht überzeugen, und wirkt und regiert nun auf die lieblichste Weise, um uns,
wie in einem schönen Traum, den süßen Glauben beizubringen. So entsteht in der
Ordnung, in wirkender Harmonie die Kunst. Was der Weise durch Weisheit erhärtet,
was der Held durch Aufopferung bewährt, ja, ich bin kühn genug es auszusprechen,
was der Märtyrer durch seinen Tod besiegelt, das kann der große Maler durch
seine Farben auswirken und bekräftigen. Es ist der himmlische Strahl, der diesen
Geistern nicht die müßige Ruhe erlaubt, sondern sie zu einer glänzenden
Tätigkeit weckt. Und daher sind es wohl die schönsten, die erhabensten Stunden,
die ein Meister vor seinem Werke zubringt; er legt bildlich die Liebe hinein,
mit der er die ganze Welt an sein Herz drücken möchte, die Urschönheit, die
Hoheit, vor der er niederkniet. Alles dies trifft der verwandte Geist in den
lieblichen Zügen wieder, die dem Barbaren unverständlich sind, er wird von
diesen Winken entzückt, er fühlt seinen Geist in seiner Brust emporsteigen, er
gedenkt alles Schönen, alles Großen, das ihn schon einst bewegte, und es ist nun
nicht mehr das irdische Bild, das ihn rührt, liebliche Schatten vom Himmel herab
fallen in sein Gemüt, und erregen eine bunte Welt von Wohllaut und süßer
Harmonie in ihm. O wenn uns die holde Natur lieb ist, wenn wir gern die Pracht
des Morgens, die Schimmer des Abends sehen, wenn die Schönheit in
Menschengestalten uns anspricht, wie könnten wir uns dann gegen die
süssvertrauliche Kunst so unfreundlich bezeigen? Gegen die Kunst, die sich
bestrebt, uns alles das noch werter und teurer zu machen, uns mit uns selbst zu
befreunden, die äussre Welt, die oft so hart um uns steht, mit unserm weichen
Herzen zu versöhnen? Nein, es ist unmöglich, dass sich der Sinn irgendeines
Menschen freiwillig abwende, es sind nur Missverständnisse, die ihn vom
himmlischen Genuße zurückhalten dürfen
