 oft meinen
Wattines lächeln, schafften mir aber auch die Freude, von seinen eigenen
Gedanken unterrichtet zu werden, wie es einst bei der sehr ernstaften
Gelegenheit geschah, da er mit mir von den wesentlichen Verdiensten aller
Wissenschaften sprach, wo natürlich auch Sittenlehre vorkommen musste, und ich
sagte: ach Männer! warum habt ihr in so vielen Jahrhunderten die Gesinnungen und
das Betragen der Menschen gegen einander, wovon das Glück des Lebens für alle
abhängt, nicht unter so unwandelbaren Gesetzen befestigt, als die Regeln Eurer
Sprachen, Eurer Geometrie, Mathematik und Künste! Mein guter Karl lächelte, wie
Sie bei meiner Äußerung über Tomson und Homer, sagte aber bald, und wie mich
dünkte seufzend: ich fürchte, gute Emilie! das konnte nicht sein, weil in der
moralischen Welt der Gesinnungen unserer Seele vollkommne Freiheit ist; aber für
das was wir tun wollen, hat unsere sinnliche Welt Gesetze, diese werden schwer
gemissbraucht, Freiheit immer.
    Ich wollte, sagte sie, nicht weiter gehen, denn nie, ach nie hörte ich ihn
das Wort Freiheit aussprechen, oder von andern in seiner Gegenwart nennen, ohne
zu bemerken, dass seine Seele an den grausamen Gang der französischen Freiheit
dachte und er dann litte.
    Auch ich konnte nun diese liebenswürdige Frau weder lange fragen, noch
Auslegungen über die geäusserten Gedanken ihres Wattines vorlegen, besonders da
er alles, selbst das Ernstafte so leicht und artig einkleidet, dass es natürlich
seiner Frau stets das beste und vorzüglichste sein muss, und auch, weder das
gründliche noch schwankende seiner eigenen Ideen auf der Insel Oneida, keine
besonderen Folgen haben konnte. Aber indessen bekommt Wattines Geist und
Charakter immer mehr anziehendes für mich, so dass ich mit äußerster Sorgfalt
alle Züge davon zu haschen suche: noch mehr, es liegt mir unendlich stärker
daran, zu bemerken, auf was für eine Art er sich bei seiner Frau in dem
unterrichtenden Tone zeigte, als zu beobachten, was er für mich oder andre
Männer sein möchte; denn da, wo wir uns unter einander zeigen, durchdringen wir
uns sehr oft bei der schwachen Ecke, Lustigkeit, Unmut, Eitelkeit oder
Leidenschaften, verraten uns auch eher als wir denken. Nun wird Wattines seiner
Frau keine Ideen geben, die er nicht gern in ihrem Geiste einheimisch sehen
möchte. Sie spricht mit Vergnügen von seinen Gedanken und seinen Taten, so, dass
meine Neugierde nur durch die Sorge beunruhigt ward, dass ich nichts als
abgebrochne Stücke erhalten würde; weil Emilie auch mit ihren Kindern und ihrem
häuslichen Wesen so getreu beschäftigt ist, dass ich gewiss bin, hätte sie mir
nicht versprochen, über alles zu antworten, sie schenkte mir wenig Zeit; denn
bei ihr möchte ich nicht auf die gewöhnliche Gesprächigkeit der französischen
