 dieses Ausdrucks
bediente; denn diese Anhänglichkeit ruht auf bessern Grund, als dem von einer
Phantasie: Er fand für sich und Emilie einen Schutz, als sie Vaterland und
Menschen flohen; sie vergnügte täglich seine Liebe für die Schönheiten der
Natur; sie trug Nahrungsmittel und Blumen wie er sie wünschte; er hatte viele
Teile von ihr angebaut und verschönert, Kräfte und Erfindung dazu verwendet,
hatte da Leiden getragen, Tugenden geübt: dieses waren schöne Bande, welche sein
Herz mit Dankbarkeit an den Boden und den Gewächsen der Insel festielten. Er
war ganz frei und Herr von allem. Alles dieses lag in der Wagschale, wenn er
Insel und festes Land verglich; - aber ich will ihn forterzählen lassen.
    Oft machte ich Betrachtungen über die Macht der christlichen Moral, welche
Emilien vergeben, Fehler meiden und Übel tragen lehrte; meine stolzen
Grundsätze aber mir Hass erlaubten, und mich durch das Gefühl meiner Ohnmacht,
Rache auszuüben, straften: mich auf diese unbewohnte Insel trieben, wo ich, nach
aller Gerechtigkeit, in Erfüllung meiner feindseligen Gesinnungen, in dem Jammer
des Mangels, in harter Arbeit und Verlassenheit meine Züchtigung finden sollte;
denn bei dem Genuße des Trostes, dass ein sichtbarer Engel mein Elend teilte
und alles bittere meiner Lage versüsste, ergriff mich tausendmal der zerreissende
Gedanke, diesen Engel an die Gränzen eines unabsehbaren Jammers geführt zu
haben; auch dünkte mich oft in dem Blicke ihres großen seelenvollen, zum Himmel
erhobenen Auges, das Gebet zu lesen:
    Ewiger Vater! du siehst, wie geduldig ich dem von dir bezeichneten Pfade
meines traurigen Schicksals folge.
    Ich konnte nicht mit dem Vertrauen zu dem Erhabenen blicken. Er war für
meine Seele nicht ein mich prüfender Vater, wie er Emilien erschien. Er war mir
beobachtender mächtiger Richter. Ich musste mir sagen:
    Ach, in meiner Jugend wurde ich wie Emilie gelehrt, dass wir alle zu
ausübender Tugend berufen sind; aber ich fasste nicht wie Emilie den Gedanken,
dass Leiden und Unglück die Prüfungen für diese ausübende Tugend sind. Ich sah
immer nur die Störer der Ruhe meines Vaterlandes, fühlte mit innern Klagen gegen
die Vorsicht und mit Empörung meines Geistes, die Oberherrschaft, welche unsere
Feinde erhalten hatten; durch die meine Leiden, wie ein unaufhaltbarer wilder.
Strom auf mich flossen: ich floh das Ungewitter und glaubte alles getan zu
haben, da ich Emilien rettete und entfernte.
    Er dauerte mich und ich sagte teilnehmend: teurer Wattines! Sie sind zu
streng gegen sich selbst, Sie berechnen Ihre Leiden, Ihre mühvollen Arbeiten und
die errungene Tugend des standhaften Ausdauerns zu gering. Er antwortete: o mein
Freund! sagen Sie nichts in diesem Tone, auf der einsamen Insel des See's Oneida
lernt man den innern
