 zum Stoff meiner Herbst- und
Winter-Unterhaltungen zu schicken. - Lange hatte ich nicht an die
Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geistes gedacht, und hier sah ich
ihn so liebenswürdig gleich nach der vollkommensten Übereinstimmung erscheinen.
Diese sagte: unser Freund in Amerika muss Herders Briefe haben: der Mann will mit
dem ersten Postwagen, das ganze allgemein nützliche nach Hamburg senden: die
Frau aber sucht, beherzigt und schreibt Auszüge, welche in diesem Moment für
mich passen, und gibt sie sogleich der Briefpost.
    O meine Base! wie soll ich Ihnen dieses vergelten? wie belohnen? Glücklich
ist, wer mit einem solchen Charakter, mit einem so ausgebreiteten Wohlwollen,
wie Sie, sich die Freude wünschet, eine schöne Absicht erreicht zu haben - Und
dieses ist geschehen, meine teure, mit einer unschätzbaren Feinheit begabte
Luise! Diese von Ihrer Hand gemachte Kopie ist früher angelangt, als das Ganze
nicht kommen kann. Was diese Blätter mir für eine Freude machten, kann nur der
fassen, welcher einst die gewünschte Versicherung ewiger Liebe erhielt; denn
Sie, meine liebenswürdige Base, haben mich damit in den Stand gesetzt, mit den
edlen Wattines aufs neue von Menschen zu sprechen, welche in diesem Weltteil
ihrem Herzen doppelt heilig sind, und ich genoss das edle Vergnügen, von einem
unsrer verdienstvollen Landsleute zu erzählen, welcher mit dem hohen Gefühl von
den verehrungswürdigsten Freunden der Menschheit spricht, wie Herder von dem
spanischen Bischof las Kasas, welcher sich der südlichen Amerikaner erbarmte,
und an dem Hof zu Madrit für sie bat, wofür Emilie noch seine Asche segnete, und
sich freute, dass der französische Bischoff Fenelon sogleich in die Reihe der
Menschenfreunde gestellt wurde, nicht nur, well er Frankreichs Völker durch den
Telemach einen weisen, gütigen Regenten bilden wollte, sondern weil er dem
Erbprinzen, von dem damals herrschenden Religionshass und Religionsverfolgung
abmahnte. Beide Wattines schienen mit unserm Herder äußerst vergnügt, da er den
Liebling der besten Menschen von der ganzen Nation mit Verehrung nannte, aber
Wattines wurde entzückt, seinen Bernardin de St. Pierre den Schüler Fenelons
nennen zu hören, und indem er sagte: O er war es, er kannte Fenelons Geist ganz!
hatte er schon den ersten Band von den Studien der Natur geholt, und sagte im
blättern:
    Ihr Freund schätzte Fenelon, weil er gegen gewaltsame Religionsbekehrungen
eiferte. - Sehen Sie, wie sein Schüler diese Seite des Charakters des wahren
Bischoffs darstellt, da er von den Zeiten spricht, sagte er gegen Emilie
lächelnd, wo unsere Voreltern noch vor Freude hüpften, wenn sie einen wilden
Pflaumenbaum entdeckten, oder in den Ebnen der Normandie ein Reh im Laufen
gefangen hatten, und ihre Priester, die Druiden, ihnen eine Menge Vorurteile
und Grausamkeiten im
