 Augenblick einem Zweifel gegen ihre
Gesinnungen Raum gab, so wankte eine Stütze des in Wahrheit kunstvollen Gebäudes
ihrer Glückseligkeit, und mir wurde auf der andern Seite wegen Emiliens
Bemerkung, über den Einfluss von Oneidas Einsamkeit bange; aber sie wusste ihren
Ideen und Ausdrücken so schnell eine liebliche Wendung zu geben, dass sein
Verstand und sein Herz eben so umfasst wurden, als er selbst von ihren Armen
umschlungen ward. Ich erkannte den hohen Wert der Feinheit des Gefühls einer
mit einem Hitzkopfe verbundenen Frau, denn wie viel vermag da sanftes Schweigen
und Klugheit, den schicklichen Moment zu einer liebreichen Unterredung zu
finden. Ich wünsche diesen Geist jedem Frauenzimmer, wie ihn Frau Wattines hat;
aber ich konnte ihr diese Betrachtungen nicht mitteilen, und auch nicht länger
auf diesem Gegenstande verweilen, sondern ich zeigte ihr auf einmal einen großen
Unmut über Englands Barden, dass noch keiner die Geschichte von Tinian zu dem
Gegenstande eines Gedichts wählte, wo der Poet einen so reichen und edlen Stoff
vor sich hat; den Charakter des Seehelden Anson, dann Sturm, Melancholie der
Seeleute, und endlich die Entdeckung des herrlichen Tinians. Engländer haben so
viele Empfindung für Natur und große, schöne Charactere, müssen wir nicht sagen,
dass Madame Wattines ganz nahe bei dem Entwurfe eines entzückenden Gedichts war?
Bild des fruchtbaren, mit Einwohnern und Wohltaten der Erde versunkenen Landes,
nur die Anhöhe mit dem Tempel gerettet. - Die Mutter welche ihr Kind beten
lehrt. - Zwei Schutzgeister welche in Überresten schöner Kunst, das Andenken
der ersten Besitzer dieser Insel aufbewahren. -
    Emilie verließ mich auf einige Zeit, und ich dachte an unsers schätzbaren
Professors Jacobi in Freiburg nicht genug bekanntes, nur zu kleines Werk: Nessir
und Zulima, worin man wirklich in ein moralisches Tinian versetzt wird;
einfache, wahre, schöne, gut und glücklich machende Begriffe von allem, was der
Menschheit am meisten angelegen sein kann erhält. - Frau Wattines kam mit einer
heitern, doch sehr aufmerksamen Miene zurück, nahm ihre Arbeit wieder und sagte:
    Warum haben Sie meine Geschichte von Tinian mit einem Ausfalle auf die
englischen Poeten abgebrochen? - Ich sagte ihr von dem Ernst meiner
Unzufriedenheit, dass ich Tinian noch nie besungen fand, - lächelnd antwortete
sie: ich glaube an diesen Unwillen, aber gewiss ists doch auch, dass Sie nichts
weiter fragen wollten, weil die Idee des kleinen Zwistes zwischen Wattines und
mir vor Ihnen stand. -
    Ich war wegen ihrem scharfen Auge etwas betreten, sagte aber freimütig: wer
sollte da weiter fragen? Lebhaft und mit freundlichem Tone erwiderte sie: ein
Freund sollte es, der Wattines und mich als gute Menschen kennt, die wohl
manchmal auf dem Wege ihres Lebens ein paar Schritte von einander abweichen,
aber sich immer
