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erhielten von der Natur die nämlichen Gefühle für körperliches Wohl und Weh,
wie wir, wurden von der nämlichen Erde getragen, von ihren Früchten genährt,
von der nämlichen Sonne beleuchtet; alle Keime der Leidenschaften unserer
Seele, alle Fähigkeiten des Geistes wurden mit mütterlicher Hand unter sie wie
unter uns ausgestreut; - alle Menschengeschlechter hatten einen gleichen Anteil
an Tugenden und Fehler. - Weissheit und Torheit flossen durch alle Jahrhunderte
der Geschichte der Menschheit, wie Wasser durch alle Gegenden der Erde; alle vor
uns lebenden genossen den Wechsel der Jahrszeiten, Blumen im Lenz, Korn-Erndten
im Sommer, Früchte im Herbste und tiefe Ruhe im Winter. Ein Philosoph
behauptete, dass Tugend, Wissenschaft, Glück und schöne Kunst die Menschheit
durchwandeln, wie die Jahrszeiten unsere Erde, - und Wattines erzählte mir nun
auch die Geschichte des Geistes der Kenntnisse und moralischer Begriffe. Mir war
der Wechsel der Jahrszeiten in dem Gebiete der Seele äußerst unangenehm, denn
die Idee des Winters der Menschheit, der jeden Anbau des Verstandes deckt, jede
Quelle der Wissenschaften stocken macht, schmerzte mich noch mehr als die
begränzten Einsichten unserer Oneidas. Wattines sagte, ich will also dieses
Gleichniss nicht weiter führen, besonders da die Naturgeschichte der Erde
beweisst, dass das irrdische Paradies nur einmal unter dem Monde erschien, und mit
der Unschuld verschwand. - Unter allen Himmelsgegenden fand einer der größten
Seefahrer nur durch ein Ungefähr auf der kleinen Insel Tinian, den Überrest
eines Landes, wo immerwährender Frühling herrscht, viel merkwürdiger ist, dass
sie unbewohnt war, diese liebliche Insel, auf welcher der englische Admiral
Ansen, und alle Leute seiner Flotte, ihre verlorne Gesundheit und ihre
Heiterkeit wieder fanden. Ich fragte ob Tinian jetzo in der Gewalt von
Grossbrittannien sei? nein sagte er, sie ist auch noch nicht bevölkert, die
schöne wohltätige Insel, und dieses wie man sagt, aus gemeinsamen Neide der
Seemächte, weil Tinian zu klein ist, um von ihnen allen Kolonisten aufzunehmen,
so kamen sie zum Besten der Menschheit überein, die Natur ungestört in dem
schönen Besitze zu lassen, damit immer notleidende Schiffer sicher sein
könnten, auf Tinian Erquickung und Ruhe zu finden.
    Dieses machte mir Freude, sagte Emilie, dadurch behält die liebe Insel ganz
den schönen Charakter des Frühlings, der allen Menschen Wohltat und Freude ist.
Der Nahme Tinian, dünkte mich für eine blühende Gegend geschaffen, und ich
wünschte die Nation zu kennen, in deren Sprache die sanfte Benennung entstand. -
Lange war meine Seele nicht so angenehm bewegt, als bei der Idee von dieser
Insel, indem mein Herz sagte: Tinian ist also für das physische alles was man
wünschen kann, wie reine Tugend und Weissheit alles für das wahre Glück der Seele
sind.
