 und Arme breiteten sich mit einer schnellen
convulsivischen Bewegung über den Kleinen hin, ihre Blicke sanken voll
Mutterliebe auf ihn, und Tränen erstickten ihre Stimme: sie trocknete sie ab,
und hauchte in ihre Hände, wie man gewöhnlich tut, wenn die Spuren des Weinens
verwischt werden sollen. Ich war von tausend Gefühlen durchdrungen, traute mir
kaum zu atmen, denn ich wollte nicht, dass sie nur im mindesten vermute, von
mir gesehen und gehört zu sein. Emilie war mir heilig, dreimal heilig, weil
nicht eine Sylbe von Klage über ihr Schicksal mit ihrer Bitte für Karmil und
mich vereinigt war. Nur Verehrung Gottes, und Liebe für Vater und Kind. O, wie
schien Emilie mir so glücklich, dass sie so beten konnte! Still, tief in meiner
Seele sagte ich, Ewiger! erhöre sie, und gib mir einen Teil ihrer Tugend!
Emilie nahm unsern kleinen Engel sanft von dem Moos, und eilte nach Hause. - Ich
kam ruhiger und glücklicher zurück in die Hütte, als ich nie war, weil nun meine
Sorge wegen Emiliens geheimen Leiden und Klagen ganz gehoben war; dieses innern
Schmerzes befreit, erleichterte mein Herz von einer quälenden Last. Ich kam
Emilien noch entgegen, nahm unsern erwachten Sohn in meine Arme, trug ihn zur
Hütte, und sah seine englische Mutter durch meine Heiterkeit vergnügt.
    Bald näherte sich der amerikanische Winter, mit den starken Regen, da
machten wir Pläne zu Winterarbeit und Lesen. Karmil wurde ein wichtiger
Beweggrund, die Geschichte des Menschen mit aller Aufmerksamkeit vorzunehmen,
und den Vorsatz zu fassen, die Bemerkungen des edlen Büffons und der
Encyclopädie bei unserm Karmil Schritt vor Schritt nach dem Gange der Natur zu
berichtigen, und bei der Erziehung des Knabens zu befolgen. Diese Verwendung
unserer Bücher und unserer Tage, machte uns doppelt glücklich, indem wir auch
wahre Achtung für uns selbst bekamen, und den Himmel mit dem Zeugnisse unserer
Herzen anblicken konnten, dass wir getreu und geduldig alle Pflichten erfüllten,
welche der Schöpfer den ersten Eltern, in Sorge für Kinder und Anbau der Erde
aufgelegt hatte. Wir fanden uns auch unendlich glücklicher, als Adam und Eva
nicht waren, weil sie nur wussten, dass sie eine unzählbare Nachkommenschaft haben
würden, wir aber in unserer Moral, Natur- und Kunstgeschichte sehen konnten, was
diese Millionen und Milliarden von ihren Enkeln durch Jahrtausende hin, mit
sich, ihren Fähigkeiten und allen übrigen Geschöpfen der Welt gemacht hatten.
Wie reich, wie unterhaltend wurden unsere leeren Wintertage und die Einsamkeit.
Was für ein Vergleichpunkt in dem Menschenleben und der Kunstgeschichte, wurde
mir die Borkenhütte in dem Dorfe der Oneidas, und die Erinnerung von Versailles.
Alles, alles innere und äußerliche physische, im Bau, in
