
gegen die Natur, dass sie mir in einem der wichtigsten Auftritte meines Lebens
unter ihren eigentlichen Kindern Hilfe gab; diese Erfahrung, und die Beobachtung
meines eigenen Kindes, der drei und fünf Jahr alten Indier, und yon unserer acht
Jahr alten Flora, überzeugten mich von der Wahrheit des Glaubens und des
Ausspruchs unsers schätzbaren Bernardin de St. Pierre, welcher sagt:
    »Die Natur hat den Menschen gut geschaffen, wenn sie ihn hätte übeltätig
haben wollen, so würde sie, die in allen ihren Werken die Folgen bedachte, dem
Menschen auch entweder Klauen, einen Rachen oder Gift, und andre angebohrne
Waffen gegeben haben, wie sie viele andre Tiere ausrüstete; aber sie hat ihm
nicht allein keine Verteidigungs- und Angrifsmittel gegeben, sondern sie schuf
ihn, als das ärmste und hülfsbedürftigste von allen, gewiss um ihn als Gegenstand
der Menschenliebe und Güte zu zeigen, und die nämlichen Gefühle für andre in
ihm zu erwecken. Die Natur schuf nirgends eine Nation von lauter neidischen,
verläumderischen, ehrgeizigen, harterzigen Menschen; eben so wenig, als man
Gegenden trifft, wo alle aussätzig, fieberhaft oder mit den Blattern behaftet
gewesen wären. Diese physischen Übel kommen von schlechter Nahrung, und die
moralischen Fehler von irrigen Begriffen des Verstandes!« Diese Betrachtung
erweckte aufs neue meine Dankbarkeit für meine erhaltene Erziehung, für Kenntnis
der Religion. Kenntnis meines Gottes und der Verdienste der Menschheit. Meine
verfeinerten Sinnen, meine gebildeten und geweckten Fähigkeiten, machten mich
selbst hier, mitten in dem größten Mangel, glücklich. Meine Indianerinen
entbehren vieles, ohne Kummer, weil sie wenig kennen, ich entbehre, mit dem
süßen Gefühle, einer ausübenden Tugend, geduldiger Unterwerfung in dem
göttlichen Willen, und schaffe mir auch Hilfe durch meinen angebauten Verstand.
Ich wünschte mir nicht die Zufriedenheit meiner Indier, freute mich für sie, dass
sie es sind, weil ich nichts für sie tun kann, aber ich hoffe doch, dass der
allmählige Umlauf der Kenntnisse und Wissenschaften, auch für sie ein edleres
Glück hervorbringen wird: aber wie lange mag es noch dauern, bis diese
Völkerschaften einmal ihre Kinder die ganze Würde der Menschheit lehren, und
ihnen sagen werden: was für große und glückliche Vorzüge hat der Mensch durch
die Gestalt und Fähigkeiten seines Körpers! wie viel mehr aber durch seine
Vernunft, vor allen andern Wesen. Jedes schädliche Tier weis er aus dem Wege zu
räumen, jedes nützliche sich zu eigen zu machen. Beider Arten bemächtigt er sich
nach Gefallen, sie mogen fliehen wie sie wollen: denn, sind sie stärker und
schneller als er, so ersetzt seine Vernunft beides: diese hat an dem Elephanten
und an dem Pferde die empfindlichen Teile entdeckt, so dass er als Knabe sie
leitet wohin er
