 sich selbst
vergessen kann, dass er nur sich zum Zweck hat, und den Zweck des aufgetragenen
Geschäfts nur insoweit befördert, als er sich mit dem seinigen verträgt. Will
dieses nicht gehen, so opfert er das Fremde dem Seinigen auf. Und in der Mitte
solcher Menschen stehst du nun und hast ihnen den Kampf schon angeboten!«
    Er konnte nicht mehr heiter werden, und seine ernste, tiefsinnige Miene
missfiel den Anwesenden nicht weniger als seine Tätigkeit am Morgen. Sie legten
ihm diese als Herrschsucht, auf Eitelkeit gegründete Ruhmsucht aus und jene als
Verachtung, besonders da sie sich alle Mühe gegeben hatten, auf ihre Art munter
und witzig zu sein. Eine solche Vernachlässigung verzeihen trockne, kalte
Geschäftsleute denen am allerwenigsten, die im Rufe stehen, als besässen sie
Geist, Welt, Verstand und sogenannte feine Kenntnisse.
    Ernst überließ ihnen das Feld und ward nicht vergessen.
    Der Präsident unterhielt sich später allein mit Renot. Dieser spottete
seiner Ängstlichkeit und sagte:
    »Es geht ja alles erwünscht mit Ihrem Neffen. Er wird sich in kurzem einen
erstaunlich großen Namen machen, viel Aufmerksamkeit erregen; und Sie wissen ja,
was dieses nach sich zieht. Auch wissen Sie, wie ein großer Mann unmerklich
wieder so klein wird, dass man am Ende gar nicht begreifen kann, wie und wodurch
er groß gewesen ist. Ich habe schon manchen so im Echo verhallen hören wie die
letzten Seufzer eines verlassenen Verliebten. Es ist wirklich schade um den Herrn
von Falkenburg! Man muss ihn aber einmal seinen gewählten Gang gehen lassen. Die
Hindernisse finden sich von selbst; denn Geister dieser Art erschaffen sie, ohne
dass andere Leute sich Mühe dabei geben. So viel ist gewiss, dass unser
vortrefflicher Fürst nicht aufhört, von unserm jungen Oberkammerrat zu reden. Er
ist stolz auf ihn und versichert laut, ihm sei noch kein teutscher junger
Edelmann wie dieser da vorgekommen. Und tritt Ihr Neffe im Kreise des Hofes auf,
Herr Präsident, so sollte man nach der Wirkung auf den Fürsten glauben, es träte
ein Wesen höherer Art in die Gesellschaft. Und, bei Gott! Herr Präsident, Ihr
Neffe hat so etwas nur ihm Eignes in seinen Blicken, seinem Betragen, als
erschiene wirklich ein Ding aus der Geisterwelt unter uns gemeinen Menschen. Man
vergisst zu lachen über die Bewunderung des Fremden und Ungewöhnlichen.«
    PRÄSIDENT: Sie haben ganz recht, dass Sie sich des Lachens enthalten, Herr
Renot, und ich würde es nicht ertragen, weder von Ihnen noch von andern. Ich
kann mich wohl über meinen Neffen ärgern; aber geachtet will ich ihn wissen.
Doch dafür wird er selbst schon sorgen. Was ich tue, was ich wünsche, zielt nur
auf sein eigenes Bestes.
    RENOT
