 den jungen Mann, der hier vor mir steht; aber da nicht, als
Sie von Ruhe sprachen.
    ERNST: So muss mein Oheim Ihre gütige Äußerung dem Jüngling für nachteilig
gehalten haben, und vielleicht hatte der erfahrne Mann darin recht. Und nun
erlauben Sie mir, gnädiger Herr, dass ich Ihnen nicht erzähle, was für Folgen der
Brief für mich gehabt hat.
    FÜRST: Ich verstehe Sie, verstehe Sie gerne so und dringe darum nicht weiter
in Sie; aber dafür werden Sie auch Ihr Wort halten und das mir getane Gelübde
nicht vergessen. Ich bewahre es auf. - Herr von Falkenburg, versagen Sie sich
Ihrem Vaterlande darum nicht, weil sein Umfang so klein und beschränkt ist. Das
kleinste Land braucht gute Menschen; und vielleicht ist ein kleiner Bezirk
denen, welche gut sind und es bleiben wollen, zuträglicher als ein großes Reich.
Ich gestehe Ihnen, dass ich darum als teutscher Fürst mit meinem Lose sehr
zufrieden bin. Jetzt kann ich meinen Wirkungskreis ganz übersehen; wär er
größer, so müsst ich mein Geschäft zerstückeln und es mit so vielen Händen
teilen, dass mein Fürstentum zwar größer, mein eigener Wirkungskreis aber eben um
so viel kleiner und beschränkter wäre. Jetzt kann ich mir noch etwas
zuschreiben, kann alles und jedes noch beobachten und in Ordnung halten; aber
wenn Leute Ihrer Art mir fehlen wollen, wenn sie sich mir versagen, wenn sie die
Probe mit sich und mit den Menschen aus Misstrauen oder Gemächlichkeit nicht
machen und ihre Tugend und ihr Talent vergraben wollen, so ist es traurig für
den, der an der Spitze steht. Und warum suchen Sie die Ruhe? so frühe Ruhe? Herr
von Falkenburg, das Amt in dem kleinen Staate schließt die Sorge für den eignen
Herd nicht aus wie in dem großen. Es bereichert selten; und um so besser! So
nimmt der Diener des Vaterlandes zugleich als Bürger und Hausvater teil am
Staate.
    Dieses sind meine Gesinnungen. Haben Sie etwas darauf zu antworten, so will
ich es gern anhören; haben Sie mir nichts zu antworten und verharren doch bei
Ihrem Vorsatz, so haben Sie Gründe, die Sie mir nicht anvertrauen können, und in
diesem Falle geb ich Ihnen Ihren Brief zurück.
    ERNST: Ich wäre des deutschen Namens nicht würdig, nicht würdig, in einem
Lande geboren zu sein, dem ein solcher Fürst vorsteht, wenn Ihre Worte meinem
Herzen nicht zu Gesetzen würden. Der Sinn, in welchem Sie meinen Brief
aufnahmen, als ich noch ein Knabe war, gnädiger Herr, ist so schön und selten,
dass mir die Erinnerung daran zum ewigen Vorwurf würde, wenn ich ihn nicht so
treu erfüllte als ich ihn lebendig fühle. So wird der Teutsche selten von seinem
