 uns abgenommene
Gold Teutschlands blühende Söhne von unsern Fürsten zu kaufen! Ich sehe sie alle
Meere durchfahren, alle Küsten der kultivierten und wilden Völker besuchen,
überall handeln, tauschen, Gewalttätigkeiten und Raub ausüben und selbst hier in
der Hauptstadt für den Glanz des Goldes den Schatten ihrer noch übrigen Freiheit
verkaufen. Hadem, und doch treibt dieses durch seine Reichtümer aufgeblähete
Volk seinen missverstandnen Stolz so weit, dass es alle Völker der Erde verachtet,
ob es gleich bei ihnen seine Tugenden für Gold umsetzt. Und wenn die Engländer
nun alles Gold der Erde zusammengehäuft haben, werden sie nicht ärmer durch
ihren Reichtum sein? Wird das Elend bei dem größten Teile des Volkes nicht in
eben dem Masse steigen wie der Reichtum des kleineren? Welches bloß kaufmännische
Volk der alten und neuen Welt rief nicht in der Zeit der Not seinen Götzen
vergebens um Hilfe an? Oh, es ist ein trugvoller Götze, Hadem; und die Zeit wird
einst gewiss die gemisshandelten Völker der Erde an seinen feurigen Anbetern
rächen! Und geschieht es nicht schon jetzt, in dem Erdteile, wo Sie leben?
Tugend, Mittelmässigkeit zu Gefährten, Eisen zur Verteidigung - was vermag das
Gold gegen diese? Und ist dieses nicht das Los der Deutschen?
    Ich durchreiste verschiedene Provinzen von Frankreich, bevor ich mich nach
Paris begab. Da nun und in Versailles entdeckte ich freilich sehr geschwind die
Quellen des Elends, von dem dieses gutmütige, muntere, geistreiche und
freundliche Volk so vielfach leidet. Gewiss besitzen die Franzosen schon von
Natur alle geselligen Tugenden in einem höheren Grade als andere Völker; und
darum können andere Völker auch nur ihre Torheiten nachahmen. Ich werde überall
eine feine Urbanität und gefällige Redlichkeit gewahr, die nur der Hass oder der
rohe Sinn verkennt. Der Franzose ist durchaus ein vollendeterer Mensch, und
Feinheit im Denken, Sprechen und Handeln macht sein unterscheidendes Merkmal
aus. Um so mehr ist es zu beklagen, dass die Urheber seines Elends ihm alles Böse
mit einer Leichtigkeit, Zuversicht und Vergessenheit tun, als sei es ein
unvermeidliches Gesetz der Notwendigkeit. Ich fliehe oft den Tumult dieser
großen Stadt, um mich dem Nachsinnen dessen zu überlassen, was täglich vor
meinen Augen vorgeht; und oft flüchte ich mich auf die ruhige, selige Insel,
welche die Gebeine des Mannes in sich schließt, dessen Leitung Sie mich
anvertraut haben. Mit welchem Gefühle der Rührung und des Danks ich zum
erstenmal sein Grab begrüßte, denken Sie wohl. Diese Insel, Hadem, war der
letzte Zufluchtsort des verfolgten Priesters der Natur und der Wahrheit. Auch
hat die Natur sie zur Ruhestätte ihres Lieblingssohns reizend ausgeschmückt.
Schlanke Pappeln wiegen sich lispelnd um sein Grab, als sprächen Geister aus
einer andern Welt von ihren Wipfeln herab. Hier sprach sein
