 Hadem, in dem Lande, das die Söhne der Deutschen von
ihren Fürsten erkauft, um sie über das Meer zur Schlachtbank zu senden. Auch Sie
sandte es dahin, aber zum Schutz und Troste der dem Tode geweihten Opfer. Und
nur dieser Gedanke, wenn ich Sie bisweilen zu lebhaft zurückwünsche und murrend
über meinen Verlust klage, söhnt mich wieder mit dem Schicksal aus, das Sie mir
vorentält. Ich empfinde, was Sie diesen Unglücklichen sein müssen, welche die
Goldsucht ihrer Fürsten von dem väterlichen Boden vertrieb, die nun seufzen in
der Gefangenschaft, im Innern eines fremden Landes, dessen Erde schon den
größten Teil ihrer Brüder in Wildnissen deckt. Ist der Teutsche dazu geboren?
seinem Fürsten von der Natur als eine Ware gegeben? Was hofft dieser von den
zurückgebliebenen Waisen, wenn die Zeit kommt, da das Vaterland seiner Söhne
bedarf? Wird er mit seinem aufgehäuften Golde nun auch fremde Verteidiger
erkaufen? oder wird er dem Feinde die Summe entgegentragen, die er für das Blut
seiner Kinder erhalten hat, und damit Schonung erkaufen? Ich darf diese Gedanken
nicht weiter verfolgen. Kein Volk der Erde verdient mehr Achtung und Schonung
von seinen Fürsten als das teutsche; und dieses Volk wird von ihnen verkauft!
Weg mit dem elenden Gedanken, der Teutsche habe kein Vaterland! - Er hat ein
Vaterland; ich habe ein Vaterland, ich fühle es und fühlte es schon, als ich das
erste lebendige Rauschen in meinem Eichenwalde vernahm. Ich fürchte, Hadem,
durch diese Gesinnung sind Tugenden in Deutschland verschwunden, deren Verlust
wir einst bereuen werden. Die Zeit kann kommen, wo sich dieser Gedanke, der
Teutsche habe kein Vaterland, grausam an denen rächen wird, die ihn erzeugten
und unterhielten. Der Teutsche hat kein Vaterland - was hat er denn, Hadem? Und
was sind seine ihm eignen Sitten und Tugenden? Ist nicht Treue, Aufrichtigkeit
und Tapferkeit sein unterscheidendes Merkzeichen? Und den Boden, der diese
Tugenden nährt, auf welchem sie gedeihen, sollten wir nicht unser Vaterland
nennen? Und wäre dieser traurige Gedanke wirklich wahr - wie, wenn nun der
Teutsche fragte, warum er kein Vaterland habe in dem Sinne wie andere Völker und
durch wen ihm diese Quelle edler Tugenden genommen sei - was würde man ihm
antworten?
    In England forschte ich vergebens nach jenen Tugenden, mit deren Geräusche
dieses nach allen Teilen der Welt handelnde Volk seine verblendeten Bewundrer so
lange täuschte. Längst hat die Goldgierde sie verschlungen. Mich überfiel ein
Schauder bei dem Gedanken, dass dieses von politischer Freiheit träumende Volk,
welches gleichwohl allen wirklichen Wert nur in Gewinn setzt, die unschuldigsten
und ältesten Bewohner der Erde in der scheusslichsten Sklaverei hält und uns ihre
unter der Gewalt erzwungenen Erzeugnisse zuführt, um für das
