 und des Glücks zu rauben. Und nicht allein, sie ihm zu
rauben, sie ihm lächerlich zu machen und alle die Begierden, Leidenschaften und
Torheiten in ihm zu entflammen, die ihm sein Führer als die Verwüster und
Zerstörer dieses Paradieses so treffend und schrecklich geschildert hatte.
    Zu diesem Zwecke sollte ihm das Werk Helvétius' »Von dem Geiste« dienen.
Dieses hielt er für den besten Wegweiser für einen Mann, der sein Glück,
ungestört von allen ängstlichen Träumen, nicht allein machen, sondern auch
genießen will.
    Dieses Buch ist durch vielerlei Beziehungen merkwürdig. Der Verfasser stellt
uns in demselben ein treues, aufrichtiges Gemälde der Denkungsart seines
Zeitalters, seines ganz in Sinnlichkeit versunknen Volkes dar, und so
systematisch geordnet, dass, wenn die Zeit es allein dem Vergessen entrisse, es
den späten Nachkommen zu einem sichern Leitfaden dienen könnte, die Ursachen der
bald darauf erfolgten schrecklichen Ereignisse aufzufinden. Ohne alle Scheu und
Rücksicht entschleiert uns dieser Mann in dem dogmatischen Tone der Überzeugung
alle Triebe seiner Zeitgenossen, des Eigennutzes, der Selbstigkeit, Sinnlichkeit
und aller ihrer zahllosen Gefährten, als wären nur sie die einzigen notwendigen
Gesetze der menschlichen Natur. Kühn zerreißt er das Band, welches uns an eine
höhere Welt bindet, und beweist uns, dass wir nur ausgerüstet mit diesen Trieben
und Begierden in das Leben gestoßen werden und nur durch sie unsre Bestimmung
erfüllen, dass alles andere Täuschung und erkünstelter Zusatz des Stolzes und
einer aufgedunsenen Einbildungskraft sei, das zu weiter nichts diene, als uns zu
blenden oder Dornen auf einen Weg zu streuen, den wir so leicht und froh
hinwandeln könnten. Sein Werk zeigt uns von Anfang bis zu Ende, durch das ganze
glänzende, witzige, metaphysisch und moralisch sein sollende Gewinde durch, dass
er und seine aufgeklärten Zeitgenossen samt allen Machtabern jedes Standes
nicht allein an die Tugend nicht mehr glaubten, sondern so weit gekommen waren,
dass sie es gerne hörten, wenn man ihren Unglauben durch sogenannte
philosophische Beweise systematisch erhärtete. Und so legte er in diesem seinem
Werke der Nachkommenschaft das Bekenntnis ab, dass nicht allein bei ihm und dem
Volke, für welches er schrieb, alle wahre moralische Kraft aufgetrocknet sei,
sondern dass es derselben entbehren konnte und wollte.
    Und dieses System der Sinnlichkeit, dessen Lehre sich an seinen Bewunderern
und Befolgern so schrecklich gerächt hat, sollte dem Schüler Hadems und des
Priesters der Natur, dem Jünglinge, in dessen Busen beide nur leise zu rufen
brauchten, um ihren eignen Geist sich antworten zu hören - diesem sollte es wie
ein langsames Gift als die einzige, durch Erfahrung bewährte Weisheit eingeflößt
werden!
    Das einzige, was sich zu Renots Entschuldigung sagen lässt, damit er nicht
wie Leviatan im »Faust« oder »Giafar« dastehe,
