 wozu
sein Rock und das Neue, Glänzende, Versprechende und Feine seines Betragens sehr
viel beitrugen.
    Ernst erwachte aus seinem tiefen Nachsinnen und sagte zu Renot: »Mein Oheim
hat mir Ihre Stärke in der französischen Sprache gerühmt. Ich freue mich sehr
darüber, und Sie können auf meinen Dank rechnen - Sie können mich sehr glücklich
machen, wenn Sie mich den kürzesten, leichtesten Weg zur Kenntnis dieser Sprache
führen. Aber ich muss sie in ihrem ganzen Umfange kennenlernen - Sie müssen mir
die ganze Stärke ihrer Ausdrücke, alle ihre Eigenheiten und Wendungen recht
deutlich machen. Ich bedarf es, den Wert, die Kraft der Worte so kennenzulernen,
dass ich mich in keinem irre, dass ich ja den Sinn eines jeden recht fasse -
keines zu missdeuten Gefahr laufe. Dieses halte ich für das Allerschlimmste - für
das Allerschwerste.« -
    Renot freute sich über Ernstens heiße Begierde, eine so wichtige Sprache in
ihrem ganzen Umfange lernen zu wollen, er sagte laut, dies sei ein gutes
Zeichen; und nun ließ er sich in ein weitläuftiges Gespräch über diesen
Gegenstand ein. Er entdeckte sehr bald, dass Ernst die Hauptschwierigkeiten schon
besiegt hatte; und um so wichtiger machte er jetzt das, was ihm noch zu tun
übrig bliebe. Er bewies, dass ihm dieses nur ein Mann beibringen könne, der lange
in der Hauptstadt von Frankreich gelebt habe. Und nun erfolgte ein großes,
glänzendes Lob des französischen Volkes. Vorzüglich rühmte er dessen zartes,
feines Gefühl für die Ehre und vergaß nicht, seine eigne Geschichte damit zu
verweben. Weitläufig bemerkte er, wie viel er diesem Gefühle aufgeopfert und wie
er die glänzendsten Aussichten nun aufgegeben hätte; »dafür aber«, fuhr er mit
gefälligem Lächeln fort, »kann ich mich nun in meinem Unglücke mit dem Gedanken
trösten, der Ehre genug getan zu haben. Mein Name wird in Frankreich wie bei
meinem Regimente gewiss unvergesslich sein.« Indem er sich so den Jünglingen
bedeutend machen wollte, suchte er ihnen zu gleicher Zeit die glänzende Schimäre
in der Ferne zu zeigen, deren Anbetung von nun an der Hauptgegenstand ihrer
Erziehung sein sollte. An Ferdinand fand er einen sehr aufmerksamen Zuhörer;
denn seiner lebhaften Einbildungskraft stellten sich alle die Szenen, die Renot
leicht und flüchtig berührte und von denen er als dem Menschen ganz eigen und
natürlich sprach, lebendig dar. Er stand in der Mitte dieses Schauplatzes und
bewunderte den Mann, der dieses alles erfahren und mitgemacht hatte.
    Ernst hörte nur, wie vortrefflich er französisch sprach. Bei allen den neuen
Vorstellungen, die einander so leicht und schnell folgten, dachte er nur an
seinen geheimen Lehrer und sagte still in seinem Herzen: »Ja, der Mensch
verdirbt alles an sich, sogar das Organ
