 die schnellen Flügel des Geistes nicht dahin, wenn der Druck der
Gewalt, das Hohnlachen der Spötter, das Schauspiel der Torheit und Bosheit uns
drängt, verfolgt und empört - wo sollten wir Zuflucht vor ihnen finden? wie die
marternden Zweifel, die bitteren Empfindungen, die aufrührerischen Gedanken
heilen?
    In jenem Lande ist unsre Zuflucht, dieser Mann sprengte die goldnen Pforten
unsers Vaterlandes auf, und vor dem Eingange rollte die Finsternis weg, welche
die Menschen davor gezogen hatten.
    Ernst verschloss die Bücher sorgfältig und sagte in seinem Herzen: »Da du mir
von Hadem geschenkt bist, so wirst du in diesem Hause nicht willkommen sein; du
sollst mich ja lehren, woran sie nicht zu glauben scheinen. Ich verschliesse dich
vor meinem Oheim und jedem, wie ich ihnen meine Brust verschliesse. In der Nacht
will ich dich öffnen und den Geist aus dir hervorrufen, der den Mann beseelte,
welcher dich der Welt gegeben hat.«
    Da Ernst in dem Französischen noch nicht sehr stark war, so enthüllte er mit
vieler Mühe die ersten Worte dieses Buches: sie sind gleichsam die Inschrift an
diesem Tempel der Natur, den ihr Liebling dem Menschengeschlecht wieder geöffnet
hat.
    »Alles ist gut, wie es aus den Händen des Urhebers der Dinge kommt; alles
artet unter den Händen des Menschen aus. Er zwingt ein Land, die Erzeugnisse des
andern zu nähren, einen Baum, die Früchte des andern zu tragen. Er vermischt und
verwirrt die Himmelsstriche, die Elemente, die Jahrszeiten, verstümmelt seinen
Hund, sein Pferd, seinen Sklaven, er verkehrt, entstellt alles; er liebt die
Missgestalten, die Ungeheuer und will nichts, wie die Natur es gemacht hat,
selbst den Menschen nicht: man muss ihn für ihn zurichten wie ein Schulpferd, ihn
nach seiner Weise biegen wie den Baum seines Gartens.« (»Emile« 1. B.) Kaum
hatte Ernst den Sinn dieser Worte gefasst, als ihm ein lauter Schrei entfuhr, der
Ferdinand aus dem Schlafe weckte. Er beruhigte diesen und legte sich dann in das
Fenster. Seine Brust dehnte sich aus, seine Augen durchflogen den gestirnten
Himmel vom Niedergang zum Aufgang:
    »Also ist sie nur des Menschen Werk, diese Verzerrung, diese Ungestalt,
dieser Missklang mit mir! Und du bist, bist ganz wie ich dich dachte, fühlte und
sah! Diese Worte sagen mir es deutlich; ihr Sinn durchbebte meine Seele, und aus
dem Zittern entsprang ein Lichtstrahl des Himmels. Die Menschen konnten ihre
Bestimmung nur dadurch aus den Augen verlieren, dass sie das schönste, erhabenste
Werk der Schöpfung in sich und den Gegenständen um sich her verunstalteten,
verstümmelten und zerstörten. Und wie sie dieses bewirkten, wodurch sie so
unglücklich
