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gesunde und ruhige Bewohner belebten diesen großen und lieblichen Schauplatz und
prägten dem heranwachsenden Jünglinge früh ein reines, sanftes, durch die
glückliche Beschränktheit einfaches und leicht zu fassendes Bild des
menschlichen Lebens in das zarte Herz.
    Glückliche Bewohner dieses Bezirks! Ihr kanntet keine Klagen über die
Menschheit und ihr Elend, da ihr ihre Torheiten, ihre Laster, ihren Wahn, die
Quellen dieses Elends, nicht ahndetet. Euer froher Sinn, eure Genügsamkeit, eure
Geduld und eure Hoffnungen, bei dem unabänderlichen Leiden, das uns die
Notwendigkeit aufgebürdet hat, um ihre geheimen Zwecke zu befördern, bewahrten
selbst die Bewohner des Schlosses vor dem Missbehagen, dem Missmut, dem grämlichen
Nachsinnen, nicht selten dem einzigen Gewinn des verfeinerten Teils der Bewohner
der Erde. Ja selbst der Städter, der Welt- und der Hofmann vergaßen, wenn eure
reine Luft sie anwehte, der große Schauplatz eures Wirkens sie in Erstaunen
setzte und eure gesunden Kinder sie anlächelten, was sie Bittres in der Welt
erfahren, was sie sich durch Wahn und rastloses Jagen nach Glück zugezogen und
was sie der leicht- und tiefsinnige Philosoph über das Menschengeschlecht und
seine Bestimmung gelehrt hatte. So ist das Leben auf dieser unsrer Mutter, der
Erde, nur denen kein Rätsel, die sie im Schweiße ihres Angesichts bebauen.
    Hier nun erblickte Ernst von Falkenburg das Licht der Welt, hier empfing
seine Seele die ersten lebendigen und kräftigen Eindrücke der Natur und nahm für
immer die Farbe der Gegenstände an, die ihn umgaben. Unter solchen Menschen
keimten die ersten, einfachen, reinen, moralischen Gefühle und Gesinnungen in
seinem Herzen auf. Sein Vater, der im *** Dienste beim Anfange des
Siebenjährigen Kriegs so schwer verwundet ward, dass er jahrelang darnieder lag,
erwählte nach seiner Wiedergenesung den ruhigern Reichsdienst, um wenigstens
etwas für eine Verfassung zu tun, die er aus Vaterlandsliebe schätzte und als
unmittelbarer Reichsritter, als Herr solcher Untertanen zu schützen alle Ursach
hatte. Seinem Ernst gesellte er einen Jüngling zu, den ihm sein Jugendfreund und
Dienstgefährte nach der blutigen Schlacht bei Zorndorf als Erbschaft
hinterlassen hatte; und er erfüllte dessen Pflicht mit so vieler Treue und
Zärtlichkeit, dass er das Glück genoss, Vater zweier hoffnungsvoller Söhne zu
sein.
    Diesen beiden Jünglingen gab er Hadem, den Feldprediger seines ehemaligen
Regiments, zum Führer, den er wegen einiger nicht gewöhnlichen Taten nie
vergessen konnte und den er für ebenso bescheiden, klug und rechtschaffen als
unterrichtet hielt. Er machte ihm Bedingungen, wie sie der teutsche Adel selten
macht, und nahm ihn auf, wie der teutsche Adel selten Männer aufnimmt, denen sie
so viel anvertrauen.
    Hadem trat zu seinen Zöglingen mit Offenheit und Vertrauen und ward von
ihnen in eben dem Geiste aufgenommen, mit welchem er sich ihnen nahte.
