 Sie mich mit an den Ohiofluss zu Ihren
Wilden!«
    Hadem antwortete mit strengem Ernste:
    »Was fordern Sie von mir? Ich eile zu den Wilden, um Sie, in welchem ich
mich betrogen habe, zu fliehen, um Sie nicht mehr zu sehen, um die wenigen noch
übrigen Tage meines Lebens nicht zu hassen. Ich bin müde, um einen Schatten
herzuwandeln, der mich bei jedem Blick an den edelsten, den hoffnungsvollsten
Menschen erinnert, den meine Augen gesehen haben, in welchem ich den Lohn meines
kummervollen Lebens aufblühen sah, der aber keiner meiner Hoffnungen entsprach,
der meinen Geist tötet, mein Herz zerreißt, der in seinem Unglück auch das
verloren hat, was der Trost des Unglücklichsten ist: das Vertrauen, sein Unglück
in den Busen seines Freundes zu gießen. Doch der moralisch Tote glaubt auch
nicht an Freundschaft, und damit ich das nicht in Ihrer Gesellschaft werde, so
gehe ich, so fliehe ich zu den Wilden, um mir dort noch einen Freund zu suchen,
der meine Augen schließe und meinen Leib in die Erde senke.«
    Er hob seine Hände zum Himmel empor und rief mit lauter Stimme:
    »Geist des Edelen, dem ich diesen Menschen einst anvertraut habe! kennst du
ihn noch? Wirst du ihn erkennen, wenn er einst zu dir tritt? Darf er dir sagen:
Ich habe deine Stimme vernommen, ich habe dich verstanden!«
    Jetzt stürzten Tränen aus Ernstens Augen. Er warf sich in Hadems Arme:
    »O mein Freund! mein Lehrer! erretten Sie mich vor mir selbst! - Wenn Sie
alles wüssten, Sie würden mich bei jenem nicht an klagen - Wenn Sie es wüssten,
Ihr gutes Herz würde bei meiner Geschichte brechen! O wie ist die Welt mit Ihrem
Schüler umgegangen! Wie haben die Menschen ihn gemisshandelt! - Was haben ihm die
getan, deren Busen er sein ganzes Glück anvertrauete! Und war jener, den Sie zum
Zeugen gegen mich anriefen, nicht unglücklich, nicht verfolgt wie ich?«
    HADEM: Nur dann würde er es ganz gewesen sein, wenn er an dem gezweifelt
hätte, was er Sie und die Menschen lehrte - Tat er dies? fiel er je so tief? Und
mag mein Herz bei der Erzählung Ihrer Geschichte brechen - kann mir mehr
geschehen als mir täglich geschieht? Und kann, muss ich nicht Rechenschaft von
den Früchten der Lehren fordern, die ich Ihnen gegeben habe? Sind Sie mir ihre
Anwendung nicht schuldig? Verdammt, oder rechtfertigt mich nicht die Art, wie
Sie das ertragen haben, was Ihnen die Menschen Böses zufügten? Muss ich nicht
wissen, was Sie dabei taten? Soll ich Sie mit dem schrecklichen Gedanken
verlassen, ich habe Sie irregeführt
