 der Zeit untergraben hat? Und was für ein Gemälde
von dem gemeinen Wesen stellen Sie den Menschen auf, wenn es solcher Stützen
bedarf!
    Was fordert der Fürst jetzt von Ihnen? Missbräuchen zu entsagen, die schon zu
lange dauern, das Volk drücken und für Sie ganz unbedeutend sind, dem Volke zu
zeigen, dass Sie seiner gedenken. Vor vielen Jahren, noch ehe ich geboren wurde,
hob mein Vater diese Missbräuche auf, und ich darf kühn sagen, kein Gut im ganzen
Lande trägt im Verhältnis mehr und keines nährt glücklichere, zufriednere
Arbeiter.
    Ich sehe es ja - Schweigen, Unwille, Hass, Grimm, starre und flammende Blicke
sind Ihre Antwort. Mögen Sie mir drohen! ich fürchte keinen von Ihnen, ich
fürchte Sie alle, verbunden gegen mich allein, nicht. Jetzt habe ich meine
Pflicht getan, als teutscher Mann für meinen Fürsten, für das Vaterland
gesprochen. Ich betrog mich nur darin, dass ich glaubte, ich spräche zu
Deutschen. Fahren Sie nur so fort, nennen Sie die Patrioten Aufrührer, fachen
Sie den Parteigeist an, beschützen Sie die geheimen Angeber, lösen Sie alle
Bande der Gesellschaft auf, zerstören Sie alle moralische Bande, alle
bürgerliche Tugend, malen Sie den Fürsten als einen Tyrannen, das Volk als
Verräter, übertünchen Sie Ihren Stolz, Ihre Hab- und Herrschsucht, Ihre
Missbräuche, Ihre Gewalttätigkeiten mit den Sophismen, welche der Zeitlauf
beschöniget, treiben Sie es auf dem ganzen deutschen Boden mit allen, die eines
Geistes mit Ihnen sind, so weit, bis das Ungeheuer aus der Finsternis plötzlich
hervorspringt, in die Sie alles einhüllen möchten! Dies Ungeheuer wird nur Ihr
Werk sein. So laden Sie die rächende Nemesis, die nun dort ihre Strafe ausübt,
auch auf den deutschen Boden ein - Ruft dann, wenn alles um euch her zerfällt:
des Fürsten waren wir nicht wert!«
    Kalt erhob der Präsident die Stimme:
    »Wir achten den Fürsten, darum schweigen wir. Durch unsre Rechte wollen wir
die seinigen erhalten, darum schweigen wir. Unsre Antwort für jeden andern liegt
in den Ereignissen des Tages. Jeder von uns in dieser gefährlichen Zeit getane
Schritt kann Verrat an unserm Fürsten, den Mitständen, dem erhabenen Oberhaupte
des Reiches werden. Dieses ist des Adels Antwort. Lasst Ruhe und Frieden
wiederkehren ... beraten wir, dann scheint das nicht erzwungen, was wir geben,
dann wird man uns danken. Jetzt würde jede Wohltat ein Beweis des Zwanges, des
Schreckens sein, und wohin dies führt, beweisen uns unsre Nachbarn. - Ihre Rede
würde sich übrigens in einem gewissen Klub in Paris recht gut ausnehmen, und sie
ist Ihres Lehrers des mehr berüchtigten als berühmten Rousseaus, wert. Doch
