 sagte nun:
    »In dem Lande, worin Ferdinand seitdem gelebt hat, schien eine solche Liebe
Raserei, war längst aus der Mode, oder man stellte sie nur aus, um in dieser
oder jener Absicht Aufsehen zu erregen.«
    AMALIE: Das war ein Glück für Ihren Freund, sonst hätten wir ihn schwerlich
wiedergesehen. Sie erinnern sich doch, mit welchem Feuer er sich dem schönen
Tode vor unsern Augen weihte? Gut, dass nun die Gefahr vorüber ist!
    FERDINAND: Vorüber? Vielleicht! Bisher fand ich indes nicht, dass die
Empfindung, deren ich mich von meiner Jugend her bewusst bin und immer bewusst
war, schwächer geworden sei; sie ist vielmehr zu einer Leidenschaft geworden,
deren Bekämpfung alle meine Kraft erfordert. Freilich ist dieses nun eine der
Leidenschaften, über welche wir wenig oder nichts vermögen, da sie schon lange
unser Meister ist, wenn wir sie gewahr werden. Indes habe ich nichts mehr für
mich zu fürchten - in meiner Lage gleich ich auch hierin einem schmutzigen
Bettler, der sich an den Tisch der Erdengötter drängt.
    ERNST: Welche sonderbare Wendung du nun wieder diesem Scherze gibst!
    FERDINAND: Dieser Scherz macht, dass ich mein Nichts am empfindlichsten
fühle, dies ist es alles. Und sage, würde dieses nun nicht trotz Hadems weisen
Lehren ein süßer, wünschenswerter Tod für mich sein? Gibt es einen schöneren für
den Menschen als, von den Flammen seines eignen Herzens verzehrt, zu sterben?
Ich rede dir Wahnsinn und werde mir selbst zum Gelächter. Das Opfer eines von
dem Schicksal Zertretnen ist ja keiner Träne wert, und darauf rechnet man doch,
wenn man es darbringt; wenigstens hofft man auf eine Träne aus den Augen
derjenigen, für die man sich opfert. Aber wer forderte ein solches Opfer von
einem Unglücklichen! Wer möchte es annehmen! Jetzt freilich, Amalie, wäre die
Wiederholung jener Worte Torheit, die Tat selbst würde man nur belachen. Und
doch, ist es nicht die Liebe allein, die dem Menschen ohne Maß und Grenze
gegeben ward, da er hier nach der Kraft seines Herzens so ganz sein Herr ist,
dass selbst das alles vermögende Schicksal in diesem Zustande nichts über ihn
vermag? Alle unsre andern Gefühle und Gedanken sind beschränkt, gemessen, auf
unser eigenes Selbst gekehrt, hier nur fühlen wir uns ganz in dem Dasein eines
andern. Und drängt uns der Gegenstand unsrer Liebe endlich gewaltsam auf uns
selbst zurück, so ist es natürlich, dass man ganz zerfällt, da einem
zurückgegeben wird, was man nicht mehr brauchen, nicht mehr ertragen kann.
    ERNST: Diese Empfindungen sind so wild als dunkel. Sonderbarer Mensch, du
sagtest, du habest das Ziel des Ruhms erreicht, es schon festgehalten;
