 und glaubte ich, es hätte so verfahren
müssen, ich würde mit dir nicht davon reden.
    Alles, was bisher geschah, geschah von dem ersten Augenblick an so schnell,
so unerwartet, so außer aller Regel der Erfahrung, war immer trotz dem
glänzenden Schleier, in das die Redner es hüllten, mit solchen drohenden
Umständen begleitet, schien immer so ganz das Werk der Partei und einer wilden
Begeisterung, dass mir vom Anfange an für das Volk und das Gute, welches die
Sache an sich hatte, bange ward. Es ist ein fürchterliches, erhaben ängstliches
Schauspiel, wenn ein so zahlreiches Volk aufsteht und mit einem Schrei ein Wort
ausspricht, dessen Sinn ihm noch dunkel ist, dessen Wert und Gefahren es nicht
gekostet und worin es nur das Gegenteil von dem sieht, was es erlitten und
erfahren hat. Mit Angst sah ich diesem Schauspiele zu, meine Angst vergrößerte
sich, je mehr meine düstere Ahndung in Erfüllung ging. Oft glaubte ich die Erde
um mich her mit ihren überreifen Bewohnern versinken zu sehen; meine Blicke
hefteten sich auf die ganze Menschheit und erhoben sich von ihr gen Himmel. -
Als nun bald unsern ganzen Weltteil grimmige Mordgeister erfüllten, als hier ein
Menschenopfer dem andern auf dem Schlachtfelde folgte und immer eine
schreckliche Nachricht von dort her durch eine noch schrecklichere verdrängt
ward, dass das Herz und das Gedächtnis und das Besinnen erlagen und sich alles,
was ich glaube und hoffe, aufzulösen drohte, da, Ferdinand, schwang ich mich
neben Jupiter auf den Ida, vor dieses dem Mord und der Zerstörung geweihte
Troja, und sah gleich ihm in die Waage des mächtigen Schicksals, ohne
Parteilichkeit und ohne Vorliebe, um unter diesem Schauspiele das zu erretten,
wodurch ich allein bestehe.
    Ferdinand schien einen Augenblick ergriffen von diesem ihn überraschenden
Bekenntnisse. Dann sprang er auf und sagte mit Bitterkeit:
    »Und dieses wäre alles, was deine kalte Tugend hierzu zu sagen hätte? Nun,
so möchte ich diesen erhabenen, dem würgenden Schicksale ruhig zuschauenden
Jupiter mitten in Paris sehen!«
    ERNST: Ich würde auch da so denken, und aus eben diesem dir schon
angedeuteten Sinne. Auch ist es alles, was ich zu sagen habe, wenn du mich
verstanden hast. Könnt ich nur so auf Deutschland blicken! Hier blutet mein
Herz. Was haben Teutschlands Söhne verbrochen? Warum sollen sie büßen für fremde
Verbrechen, für Verbrechen, die sie nicht kannten, nicht ahndeten? Warum soll
sich ein Teil von Teutschlands Söhnen für Meinungen eines andern Volks
erschlagen lassen, während die Übriggebliebenen zu ihrer Gefahr davon
unterrichtet werden? Warum soll die Sache eines Volkes die Sache der Menschheit
werden? So ist es ein Kampf der Finsternis mit dem Lichte, der Furcht mit der
Rache
