 sonderbare Weib zerbrochen und
kann es nicht ergründen. Sie müssen mir dieses Rätsel lösen; denn Ihnen kann das
Geheimnis nicht lange verborgen bleiben. Hier waltet etwas ob, das sich
aufklären muss. Ich erinnere mich genau, wie diese Amalie, die damals die jüngste
der Grazien zu sein schien, auf Ihre feurige Einbildungskraft gewirkt hat und
was Sie mir von ihr erzählten. Wie fanden Sie nun die erhabene, ernste Göttin?
Das hätte sie nicht werden müssen. Diese Erhabenheit zerstört das Weib - er
zerstörte es in ihr, und was er darauf pflanzte, ist von zweideutigem Gehalte.
Sie haben doch den Zug des stillen Kummers bemerkt?
    FERDINAND: Ja, ich bemerkte ihn.
    RENOT: Das glaube ich wohl. - Nun, suchen Sie nur, dem Demagogen nicht zu
missfallen. Freilich bei dem Fürsten vermag er viel, doch was vermag der Fürst
gegen alle? Sie müssen nun einmal bei ihm bleiben, aber lassen Sie sich von der
Klugheit raten. Werfen Sie sich nicht zum Kämpfer für ihn auf; denn hier sieht
jeder nur einen Feind in ihm, den Feind der alten Ordnung, und diese ist in dem
gegenwärtigen bedenklichen Zeitpunkte natürlich die wichtigste Angelegenheit der
Menschen. Ich bedaure Ihren Freund; doch so will er es, nur so gefällt es ihm.
    Renot sprach nun von gleichgültigen Dingen und führte Ferdinand auf sein
Leben in Frankreich zurück. Er reizte dadurch dessen Eitelkeit, und Ferdinand
vertrauete ihm eine Geschichte, die er freilich Ernsten nicht so hätte mitteilen
dürfen. Ferdinand war so nahe an den Grenzen des Verbrechens vorübergegangen,
dass man Renots Grundsätze haben musste, um nicht bei seinem Wagestücke zu
schaudern.
    Renot hörte ihm mit zunehmendem Erstaunen zu; und als Ferdinand geendigt
hatte, rief er:
    »Und dieser kühne Mann, den die Natur als einen Liebling, mit Gestalt, Geist
und Mut ausgerüstet, dem Glücke übergab, als wollten sie beide einmal vereint
arbeiten - der soll nun von der Gnade eines Mannes leben, welcher mit denen im
Bunde steht, die sein Gebäude zusammenstürzten? Oh, dass es Ihnen nicht ganz
gelang! dass der Schwärmer nicht erfahren konnte, was Renots Schüler vermag! -
Haben Sie ihm Ihre Geschichte anvertraut?«
    FERDINAND: Nein.
    RENOT: Tun Sie es ja nicht! Der Träumer ist nicht fähig, Männertat und -werk
zu beurteilen. Sein Spiel ist das sogenannte Glück des Pöbels, der das Ihrige
dort zerstörte. Nutzen Sie ihn; denn nur dazu sind solche Phantasten gut.
    FERDINAND: Renot, so weit entfernt auch meine Denkungsart von der seinigen
ist - bei Gott! wenn ich mich auf diesem elenden Gefühl ertappte, ich würde mein
undankbares Herz mit grimmiger Faust zerdrücken. Alles, was Sie sagen,
